Weltgebetstag der Frauen 2021 in Neukirch „Worauf bauen wir“?

Weltgebetstag in der Kirche in Neukirch Bild: Roswitha Bentele

Text: Roswitha Bentele

Am ersten Freitag im März treffen sich jedes Jahr Frauen zum Weltgebetstag, dieses Jahr trotz Corona. Auch die Seelsorgeeinheit Argental reihten sich 34 Frauen und zwei Männer in diese Gebetsgemeinschaft ein und feierten ihren Gottesdienst in der Kirche in Neukirch – natürlich nach den Corona-Vorgaben - mit Texten, Liedern (von der CD abgespielt) und Gebeten, welche Frauen aus Vanuatu unter dem Leitwort „Worauf bauen wir?“ vorbereitet hatten. Vanuatu, ein Insel-staat mit 83 Inseln, von denen 67 bewohnt sind, liegt im Pazifik zwischen Australien, Neuseeland und den Fidschiinseln. Nach britisch-französischer Kolonialherrschaft wurde 1980 ein demokratisches Regierungssystem eingeführt, nachdem das Volk zwei Jahre davor die Unabhängigkeit eingefordert hatte. Seither trägt das Land den Namen Vanuatu – wörtlich „Land, das aufsteht“ – mit dem Motto „Auf Gott bauen und vertrauen wir“. Zuerst gab es einige Informationen zum Land: Vanuatu hat mit mehr als 100 Sprachen die höchste Sprachendichte der Welt. 83% der Menschen sind Christen, davon gehören 28% der Bevölkerung der presbyterianischen Kirche und 15  % der anglikanischen Kirche an. 12,5% sind Katholiken 17% Nichtchristen. Die Wirtschaft von Vanuatu besteht überwiegend aus Landwirtschaft, Rinderzucht, Fischerei, Obst, Gemüse, Kokosanbau und Tourismus. Zu 80% ernähren sich die Menschen von dem was sie selbst angebaut haben. Der Staat ist der größte Arbeitgeber. Vanuatu ist eine Steueroase. Seit 2018 gilt hier weltweit das strengste Plastikverbot. Vanuatu ist das Land, das weltweit am stärksten vom Klimawandel betroffen ist. Die Erderwärmung wirkt sich wie folgt aus: Höhere Wassertemperaturen, gefährdete Fischbestände, Korallensterben, Feldfrüchte wachsen schlechter, steigender Meeresspiegel, tropische Wirbelstürme zerstören das Land immer mehr, zuletzt 2015 als durch Sturm Zyklon Pam ein Schaden von 600 Mio. Dollar angerichtet wurde. Die Stellung der Frau ist noch sehr traditionell. Sie kümmert sich um Leben und Überleben der Familie; um Essen, Kinder und Pflege der Angehörigen. Auf sogenannten Mammas-Märkten verkaufen viele Frauen das, was sie erwirtschaften können: Gemüse, Obst, gekochtes Essen und einfache Näharbeiten. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau steht zwar auf dem Papier. In der Realität treffen die Männer die Entscheidungen. Frauen haben nichts zu sagen. Sie erfahren oft häusliche Gewalt. Seit der Unabhängigkeit 1980 sind nur 5 Frauen im Parlament und nur 3% der Frauen in höheren Führungs-positionen. Das Titelbild zum Weltgebetstag zeigt eine Mutter mit Kind als der Sturm Zyklon Pam 2015 über Vanuatu zog und weite Teile des Landes zerstörte. Zu sehen ist eine Frau, die sich schützend über ihr kleines Kind beugt und betet. Während der Sturm über Frau und Kind hinwegfegt, schützt eine Palme mit kräftigen Wurzeln die beiden vor dem Sturm. Neben Dank und Vergebungsbitten hörten wir in der Liturgie auch Stimmen aus Vanuatu: Eine junge Frau wird Bildung verwehrt, weil die Eltern nicht genug Geld haben. Diese Frau findet mit Engagement in kirchlichen Gruppen, mit Hartnäckigkeit und Glaube an Gott Wege sich weiterzubilden um später ihren Lebensunterhalt verdienen zu können; sie verkauft auf Märkten Handarbeiten um ihre Kinder ernähren zu können. Die Kinder auf dem Land haben weite Schulwege, deshalb müssen sie schon früh das Elternhaus verlassen und im Internat leben. Es gibt keine allgemeine Schulpflicht. Der gleichberechtigte Zugang zur Schule für Jungen und Mädchen noch nicht erreicht. Trennungen und Scheidungen der Eltern, zu wenig Nahrung, kein Geld für eine Wohnung in der Stadt, minimale Schul- und Ausbildungsmöglich-keiten sorgen für geringe Jobaussichten und hohe Arbeitslosigkeit. Dies schafft eine Generation, die für sich keine Zukunft sieht. Im Mittelpunkt der Liturgie stand ein Bibeltext aus dem Matthäus Evangelium. Frauen aus Vanuatu ermutigen uns das Leben auf den Worten Jesu aufzubauen. Sie sollen der felsenfeste Grund für alles menschliche Handeln sein. Denn nur das Haus, das auf festem Grund gebaut ist, würden Stürme nicht einreißen, heißt es in der Bibelstelle. Zum Gottesdienst gehört auch die Kollekte. Mit einer stolzen Summe von 398 EUR, welche die Frauen am Ende des Gottes-dienstes in das aufgestellte Körbchen am Eingang einwarfen, können sie ihren finanziellen Beitrag bei über 100 Projekte leisten, welche das Weltgebetstagskomitee initiiert hat. Diese Projekte sollen die Lebensumstände von Frauen und Mädchen im Bereich Teilhabe, Bildung, Gesundheit, wirtschaftliche Eigenständigkeit, Frauenperspektiven in Kirche verbessern. Mit Gabengebet, Fürbitte und Segen endet der Wortgottesdienst. Neben Dank für das Mitfeiern sagt Frau Oberhofer vom Vorbereitungs-team im Schlusswort: „Wenn wir nun in die Nacht gehen, dann singen die Frauen in Vanuatu schon ihr Morgenlied.“ Die Liturgie für den nächsten Weltgebetstags-Gottesdienst in 2022 kommt aus England, Wales und Nordirland, der dann hoffentlich unter normalen Bedingungen gefeiert werden kann.