Predigt von Pfarrer Hof zum Pfingstsonntag

Liebe Schwestern und Brüder,

Als ich vor einigen Wochen die 18. Mitteilung aus Rottenburg in der Corona-Zeit bekam, hielt sich meine Begeisterung zunächst in Grenzen. Schon wieder eine neue Verordnung… Ich habe also die Mail und den Anhang geöffnet und die ersten Worte haben mich wider Erwarten sehr gefreut: wir dürfen wieder Gottesdienste feiern! Endlich, nachdem ich gemeinsam mit meinen Eltern über viele Wochen hinweg stellvertretend für die Seelsorgeeinheit die Heilige Messe gefeiert hatte, durfte ich wieder mit der Gemeinde Messe feiern. Doch die Freude währte nicht lange, als die Liste der Verordnungen lang und länger wurde und mir sofort klar wurde, dass das für unsere Gemeinden eine Herausforderung sein würde. Vor allem personell ist die momentane Situation alles andere als einfach. Für uns Zelebranten sind drei Gottesdienste am Sonntag Regelbetrieb – aber nicht für alle anderen Beteiligten. Drei Gottesdienste in einer Gemeinde bedeuten für Mesner, Ordner, Organisten, Ministranten, Kommunionhelfer und Lektoren einen enormen Mehraufwand. Die aktuelle Situation zeigt uns daher ganz eindeutig: unsere Kirche wird nicht nur von Priestern getragen, sondern sie besteht aus vielen verschiedenen Personen. In dem Paulusbrief an die Gemeinde von Korinth spricht der Apostel davon, dass es verschiedene Gnadengaben und verschiedene Dienste gibt, aber nur den einen Herrn. Bei einem schönem, einem zu Herzen gehenden Gottesdienst wirken alle Beteiligten mit. Nicht nur der Zelebrant, nicht nur die Musiker, nicht nur die Ministranten, sondern alle Anwesenden. Jeder soll seine Talente, seine Begabungen mitbringen und diese entweder im Gottesdienst selber einbringen oder aber bei einer der vielfältigen Aufgaben und Möglichkeiten im Gemeindeleben.

Liebe Schwestern und Brüder. Die Eucharistie ist kein Konsumort wo man wie ins Kino, ins Stadion oder ins Theater hingeht und mehr oder weniger gut unterhalten wird. Nein, die Eucharistie ist Zentrum und Höhepunkt christlichen Lebens, der Ort an dem wir als Familie, als Leib Christi zusammenkommen, wo jeder das Seine mitbringt. Vor allem dieses Bild vom Leib Christi ist dabei glaube ich ganz entscheidend: ein Leib, ein Körper hat verschiedene Glieder, er hat Füße und Beine, er hat Arme und Hände, er hat einen Rumpf, Augen, Ohren und Mund. So ist es auch mit einer Kirchengemeinde: es gibt unterschiedlichste Aufgaben und Möglichkeiten sich mit seinen jeweiligen Talenten einzubringen. Jemand ist technisch begabt? Wunderbar, warum nicht eine App für die Kirchengemeinde entwickeln? Ein anderer spielt genial Gitarre? Traumhaft, warum nicht mal einen Gottesdienst begleiten? Ein dritter ist ein Organisationstalent? Genial, warum sich nicht an einer geeigneten Stelle einsetzen und engagieren?

Liebe Schwestern und Brüder. Es gibt so einiges in unserer Kirche, über das man sich ärgern kann, vielleicht sogar muss. Aus meiner Sicht gibt es nur drei Möglichkeiten damit umzugehen: erstens, Resignation. Ich bin bereits seit Jahrzehnten in der Kirche, habe aber längst die Hoffnung aufgegeben, dass sich da was ändern wird und rühre mich deswegen auch nicht mehr. Zweitens: Flucht. Ich kann mit dieser Institution nichts mehr anfangen, konnte es vielleicht noch nie und kehre ihr den Rücken. Drittens: Anpacken. Ich sehe die Kirche und die Stellen wo es fehlt und ich weiß um meine Begabungen. Ich entscheide mich mit anzupacken und Dinge zu verbessern oder zu verändern. Ich glaube, dass es viel zu viele Menschen gibt, die entweder resignieren oder sogar bereits die Flucht ergriffen haben, obwohl sie eigentlich die so dringend benötigten Fähigkeiten hätten, um dieses riesige Schiff namens Kirche wieder auf den Weg zu bringen.

Liebe Schwestern und Brüder. Am heutigen Pfingstfest möchte ich Sie eindringlich ermutigen: gehen Sie in sich und fragen Sie den Heiligen Geist: was habe ich für Fähigkeiten, um meine Aufgabe als Bestandteil am Leib Christi zu erfüllen. Ich erlebe es so häufig, dass eine Hand an diesem Leib halt keine Lust mehr darauf hat Hand zu sein und lieber Stimmband wäre. Deswegen wird aus jemandem der handwerklich begabt ist, aber einfach keine Ton trifft, noch lange kein Sänger und geeigneter Kandidat für den Kirchenchor. Ich glaube, dass das mit zu den schwersten Lektionen unseres Lebens gehört: unsere je eigenen Begabungen zu erkennen und dann auch anzunehmen. Pfingsten ist das Geburtsfest der Kirche, jenes Ereignis an dem die Apostel dazu befähigt wurden den Auftrag Jesu zu erfüllen. Jede und jeder von uns die wir getauft und gefirmt sind, sind Nachfolger der Apostel, sind Jüngerinnen und Jünger Jesu und haben unseren je eigenen Auftrag das Evangelium zu verkünden. Keine Resignation, keine Flucht, sondern anpacken ist angesagt. Amen.