Predigt von Pfarrer Hof zum 7. Sonntag der Osterzeit

Liebe Schwestern und Brüder,

Der Walt Disney Film Hercules von 1997 zeigt Kindern auf die eigene unvergleichliche Disney-Art wie ungefähr sich die Menschen im antiken Griechenland die Welt, den Kosmos und vor allem die Unterwelt vorgestellt haben. So wird Hades, der Gott der Unterwelt zwar als der böse Gegenpart zum guten Göttervater Zeus dargestellt, doch erscheint er dabei mit seinem schnellen Mundwerk und seiner vorlauten Art, so sympathisch, dass es schwer ist, ihn nicht zu mögen. Dass die Unterwelt in der griechischen Mythologie dabei ein trostloser Ort ist, an dem die Seelen der Verstorbenen als fahle Gespenster im Fluss Styx ihre Ewigkeit dahintreiben, gerät dabei zur Randnotiz. Auch die römische Staatsreligion mit ihren vielen Göttern die ständig im Krieg miteinander liegen war nicht unbedingt das, was man als besonders anziehend und verlockend ansehen konnte. Es ist daher eigentlich wenig erstaunlich, dass sich die Botschaft von dem Mann aus Nazareth, der zu seinen Lebzeiten unzähligen Menschen auf verschiedenste Weise geholfen, sie von psychischen und physischen Leiden befreit hatte und sogar gesellschaftliche Ächtungen überwand, der verschiedenste Wunder gewirkt hatte, dann umgebracht worden war und schließlich doch wieder auferstand, dass sich diese Botschaft sehr schnell ausbreitete, auch wenn die Christen verfolgt wurden. Die Vorstellung, dass es mit dem Tod nicht aus und vorbei ist, dass man seine Ewigkeit nicht in der Trostlosigkeit des Styx verbringen musste, war neu, sie war geradezu spektakulär. Der Glaube an Christus war attraktiv, nicht nur seine Botschaft für ein gelingendes Leben, sondern natürlich auch die Aussicht auf ein ewiges Leben.

Mittlerweile leben wir jedoch in einer Zeit und vor allen Dingen in einer Gesellschaft und einem Teil der Welt, wo diese Attraktivität des Christentums mehr und mehr abnimmt. Die Naturwissenschaften sind für viele zum neuen Gott geworden oder wenigstens zu jener Möglichkeit die vielen Menschen scheinbar mehr Antworten auf ihre Fragen liefern als es die Religion tut. Dabei sind es doch gerade namhafte Wissenschaftler der Geschichte, die sich durch ihre Beobachtungen und Entdeckungen auf ihren jeweiligen Gebieten absolut sicher sind, dass es Gott gibt. Ein paar Beispiele gefällig: Nobelpreiträger Werner Heisenberg, einer der bedeutendsten Physiker des 20. Jh. formulierte: Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott. Der britische Astrophysiker Sir Arthur Eddington sagte: die moderne Physik führt uns notwendig zu Gott hin, nicht von ihm fort. Tatsächlich sind viele Gelehrte zu der Überzeugung gekommen, dass Wissenschaft und Religion in keinster Weise in einem Gegensatz stehen, sondern sogar zusammengehören. Albert Einstein erklärte 1930: Naturwissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Naturwissenschaft ist blind. Oder Max Planck: zwischen Religion und Naturwissenschaft finden wir nirgends einen Widerspruch, wohl aber gerade in den entscheidenden Punkten volle Übereinstimmung.

Liebe Schwestern und Brüder. Die Frage bleibt für uns: Warum ist die Vorstellung von einem ewigen Leben für viele Menschen in unserem Teil der Welt nicht mehr attraktiv? Ich glaube, dass ein Teil der Antwort in dem steckt was wir im heutigen Evangelium gehört haben: Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. That´s it. Nicht gerade das was man als das Wahnsinnsprogramm bezeichnen könnte – zumindest auf den ersten Blick. Gott zu erkennen und Jesus Christus ist das ewige Leben. Wer nun denkt, dass das an Langeweile ja wohl kaum zu überbieten ist und vor allem dann noch eine Ewigkeit lang, der hat Gott noch nicht kennengelernt. Und ich glaube, dass das leider bei vielen vielen Menschen der Fall ist. Man ist zwar getauft, vermutlich war man auch bei der Erstkommunion oder gar der Firmung, aber das bedeutet noch lange nicht, dass man Gott in seinem Herzen erkannt hat. Und das ist das Entscheidende: Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden, hat Fleisch angenommen, hat uns ein Gegenüber geschenkt. Das bedeutet mit diesem Jesus können wir tatsächlich in Kontakt treten, können eine Beziehung mit ihm aufbauen. Lassen Sie uns nochmal einen genaueren Blick auf diesen Bibelvers werfen: dort heißt es Gott zu erkennen ist das ewige Leben. Das spannende Wort ist hierbei vor allem dieses unscheinbare erkennen. Denn im biblischen Kontext heißt erkennen nicht einfach nur ein sehen und verstehen, sondern es ist eigentlich etwas zutiefst Erotisches. Gott zu erkennen heißt, ihn in seinem ganzem Wesen vollumfänglich anzunehmen. Im Prinzip ist es das gleiche wie mit einem Liebespaar: die beiden Partner schenken sich gegenseitig ihre Liebe und ihre Hingabe. Es ist also tatsächlich ein Stück Selbsthingabe und vollkommene Annahme des anderen, des Geliebten. Vielleicht kennen Sie diesen Moment, wenn sie jemanden anschauen, den Sie lieben und Ihnen dieser Moment wie eine Ewigkeit vorkommt, weil in diesem Augenblick alles da ist, weil es nichts gibt was jetzt anders sein müsste, was noch fehlen würde. Die Ewigkeit wird wie ein solcher Augenblick sein, einer in dem wir Gott erkennen und durchströmt sind von dem Gefühl und der Gewissheit, dass nichts fehlt, dass dieser Augenblick vollkommen ist.

Liebe Schwestern und Brüder. Wenn Sie sich fragen wie Sie mit Gott in eine solche Beziehung eintreten können, dann werfen Sie einen Blick auf eine andere Stelle des Evangeliums in der Jesus sagt: ich stehe an der Tür und klopfe. Jesus möchte in unser Herz hineintreten, doch wir sind es, die die Tür von innen zuhalten, weil wir nicht wissen was auf uns zukommt. Wenn wir ihm die Tür öffnen, dann wird er hineinkommen und wir werden ihn erkennen und dann haben wir bereits jetzt Anteil am ewigen Leben. Amen.