Predigt von Pfarrer Hof zum 5. Sonntag der Osterzeit

Liebe Schwestern und Brüder,

Der 23. März 2020 wird für Deutschland noch sehr sehr lange in Erinnerung bleiben und es wird keine gute Erinnerung sein, denn es war der Tag an dem klar wurde, dass sich das ganze Land im sogenannten Lockdown befindet. Und wir alle, jeder Einzelne von uns hat auf ganz unterschiedliche, oft jedoch sehr ähnliche Art und Weise damit zu kämpfen gehabt oder kämpft immer noch. Mit den Kindern die plötzlich zu Hause sind und ihre Freunde nicht sehen und treffen dürfen und verständlicherweise von Tag zu Tag, von Woche zu Woche ungeduldiger werden. Mit der einfachen Tatsache, dass plötzlich nur noch Spazieren, Radfahren oder Ähnliches zum Zeitvertreib möglich ist. Mit dem Kämpfen ums Überlegen und die Sicherung der eigenen Existenz. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Für viele Menschen ist gerade der Glaube an Gott die Möglichkeit, um wieder neu Kraft zu tanken, um weitermachen zu können, selbst wenn man gerade schwierige Zeiten durchmachen muss. Doch selbst das fiel in dieser Krise weg. Und so ist es glaube ich alles andere als erstaunlich, dass vielen Menschen nach nun mehr sieben Wochen schlicht und ergreifend die Luft ausgeht. Es steht uns Oberkante Unterlippe! Es nervt! War es am Anfang noch irgendwie machbar und zu bewältigen, so sind diese sieben Wochen doch immer länger und länger geworden und wir sind leider auch noch nicht wieder dort angekommen wo wir hin möchten. Besonders die Frage der Schulen und Kindergärten ist momentan ein heiß diskutiertes Thema und ich glaube wir alle sind sehr gespannt wie es weitergehen wird. Das gilt natürlich auch für die teilweise widersprüchlichen und verwirrenden Meldungen in den Nachrichten von verschiedenen Virologen und Politikern. Wer hat Recht, wem soll man glauben?

Liebe Schwestern und Brüder, im ersten öffentlichen Gottesdienst seit dem dritten Fastensonntag hören wir ein, wie ich persönlich finde, tröstendes und aufbauendes Wort von Jesus: euer Herz lasse sich nicht verwirren, glaubt an Gott und glaubt an mich. Mich hat es sehr gefreut, dass viele Menschen aus unserer Seelsorgeeinheit die wenigen Angebote die wir als Pastoralteam Ihnen zur Verfügung stellen konnten doch immer wieder gern angenommen haben. Gerade die Gebetsstationen die Michaela Hertnagel unsere Gemeindereferentin in allen acht Kirchen eingerichtet und unterhalten hat wurden teils sehr gut angenommen und so konnten wir regelmäßig Ihre Bitten und Anliegen in der täglichen Eucharistiefeier vor unseren Herrn bringen. Wenn es etwas Positives gibt, dass man über diesen Lockdown sagen kann, dann sicher dass wir dadurch nun auf eine ganz andere Weise hier sind. Auch wenn wir diese Verordnungen und Sicherheitsmaßnahmen haben und einhalten müssen, so können wir dennoch erstmals wieder als Gemeinde, als Seelsorgeeinheit zusammenkommen und unseren Glauben gemeinsam leben, das Wort unseres Gottes hören und ihn in seinem Sakrament empfangen und sei es auch auf eine bisher ungekannte Weise. Bei mir überwiegt heute bei Weitem das Gefühl der Freude und der Dankbarkeit, dass wir wieder gemeinsam Gottesdienst feiern können.

Liebe Schwestern und Brüder. Wir können es uns eigentlich nicht vorstellen, aber es gibt Regionen auf unserer Welt in denen zwar das Christentum verbreitet ist, aber keine Priester da sind, um die Sakramente zu spenden. Man kann sich nun trefflich über die Gründe streiten warum das so ist und ob man das nicht ganz anders machen müsste, aber darauf möchte ich heute nicht hinaus. Die einfache Tatsache, dass der Glaube auch in Regionen überlebt, in denen die Gemeinden ihre Kraft alleine aus dem gemeinsamen Teilen des Wortes Gottes beziehen, ist für uns etwas das uns Mut machen sollte. Mut für diese übrige Zeit, die wir in diesem nun mehr gelockerten Ausnahmezustand verbringen müssen. Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Vor kurzem hat mir eine Dame aus unserer Seelsorgeeinheit beschrieben, wie sie in ihrer Familie trotz Quarantäne dennoch den Glauben leben. Das gemeinsame Beten als Familie vor dem Essen. Das Teilen des Sonntagsevangelium und das Sprechen darüber sind wunderbare Möglichkeiten, um den Glauben nicht nur am Leben zu erhalten, sondern sogar zu vertiefen. Ich merke es bei mir selber, dass ich immer wieder ganz neue Facetten des Glaubens entdecke, wenn ich mit Menschen darüber spreche. Denn ich muss nach Worten suchen, ich muss erklären können was in mir vorgeht, was der Glaube, was Jesus für mich bedeutet und wie ich mit ihm spreche. Und durch das schlichte aussprechen, durch dieses Suchen nach Formulierungen komme ich in meinem eigenen Glauben weiter.

Liebe Schwestern und Brüder, was ist das für ein großes Fest, das wir heute feiern – und was für ein merkwürdiges noch dazu. Auch wenn wir Abstände zueinander einhalten müssen, auch wenn wir nicht singen dürfen, so kann sich unser Herz wirklich darüber freuen, dass viele von uns wieder an den Gottesdiensten teilnehmen dürfen. Und gleichzeitig bitte ich Sie: beten wir heute ganz besonders inständig für all jene Menschen die uns nahe stehen, aus unserer Seelsorgeeinheit, die aus unterschiedlichsten Gründen noch nicht an den Gottesdiensten teilnehmen können, obwohl sie sich so danach sehnen. Dass unser Herr ihnen die Kraft schenke in ihrem Leben, in ihrer jeweiligen Situation zu wirken und sie spüren „wir sind nicht allein“. Ich glaube selten war der Satz so wahr wie in diesen Zeiten „im Gebet verbunden“. Beten wir um Kraft, beten wir um ein Ende der Pandemie, beten wir darum, dass sich unser Herz nicht verwirren lasse. Amen.