Predigt von Pfarrer Hof zum 33. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,

Als Lehrer in einer Grundschule ist es für mich mit die größte Herausforderung eine Geschwindigkeit zu wählen bei der alle mitkommen. Ganz egal ob das beim Tafelaufschrieb ist oder beim Erteilen eines Arbeitsauftrages: manche sind sehr schnell fertig mit Abschreiben und fragen mich was sie jetzt machen sollen, während andere noch nicht mal den Stift in die Hand genommen haben; manche wollen auch die zehnte Frage richtig beantworten und heben schier vom Stuhl ab, andere flechten gerade die Haare ihrer Nebensitzerin und haben die Frage gar nicht mitbekommen. Sehr schnell wird einem klar, dass es eben verschiedene Kinder gibt. Doch merkwürdigerweise gibt es seit vielen Jahren Stimmen in der Politik, die unbedingt alle in den gleichen Topf werfen wollen. Man merkt überhaupt nicht, dass mit diesem Ansatz niemandem geholfen wird: die Schnelleren werden ausgebremst und die Langsameren permanent unter Druck gesetzt – von der Überforderung der Lehrer möchte ich an dieser Stelle schweigen. Wir sind einfach nicht gleich, auch wenn uns das immer wieder von gewissen politischen Strömungen weiß gemacht werden möchte. Wir sind nicht gleich, zumindest nicht was unsere Fähigkeiten angeht.

Im heutigen Evangelium hören wir genau davon: im Gleichnis das Jesus erzählt, gibt es denjenigen mit fünf Talenten, einen mit zwei Talenten und einer mit nur einem Talent. Während nun die beiden mit der größeren Fülle an Talenten sich daran machen und mit Erfolg diese Talente noch vermehren, gräbt der mit dem einen Talent das Geld ein. Wie müssen wir diese Erzählung verstehen? Im Prinzip ist es ganz einfach: jeder von uns hat bestimmte Fähigkeiten von unserem Schöpfer mitbekommen. Die einen fünf, andere zwei oder sogar nur eine . Unsere Aufgabe ist es nun, im Laufe unseres Lebens diese Fähigkeiten zu entfalten und dadurch mitzuhelfen am Bau des Reiches Gottes in unserer Welt, d.h. durch unsere guten Werke mithelfen, dass das Gute in der Welt wachsen kann. Am Ende unserer Tage werden wir vor Christus stehen und das Einzige was wir vorweisen können sind unsere Werke, die Schätze im Himmel, wie ich in der vergangenen Woche gesagt habe und es an einer anderen Stelle im Evangelium heißt.

Liebe Schwestern und Brüder. Wenn wir dieses Gleichnis hören, sind wir Menschen sofort geneigt zu sagen „unfair“! Denjenigen mit der größeren Anzahl an Talenten fällt es doch viel leichter damit was zu tun, als dem mit dem einen. Doch darum geht es Jesus nicht. Jesus interessiert sich nicht in erster Linie für die Menge, sondern dafür, dass wir es wenigstens versuchen, dass wir zumindest unser Möglichstes tun. Im Gleichnis heißt es daher auch: Du hättest mein Geld auf die Bank bringen müssen, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten. Es gibt Menschen die mit ihrem Leben nichts anzufangen wissen. Sei es weil sie aus einem armen Elternhaus kommen und eine schlechte Bildung haben und sich deswegen benachteiligt fühlen. Sei es, weil sie aus einem reichen Elternhaus kommen, sie jedoch dem Druck, der ihnen von außen auferlegt wird oder den sie zu spüren glauben, nicht gewachsen sind und lieber das Geld der Eltern verprassen, selbst aber keinen Fuß vor den anderen gesetzt bekommen. Die Liste der Beispiele ließen sich noch beliebig verlängern. Wir sind dazu berufen unsere Fähigkeiten auszuschöpfen, es wenigstens zu versuchen und uns nicht hinter Vorwänden und Ausreden zu verstecken.

Liebe Schwestern und Brüder. Wenn wir uns mit unseren verschiedenen Fähigkeiten so anschauen, stellen wir schnell fest, dass wir alles andere als gleich sind, allenfalls ähnlich. In unserer Würde jedoch, sind wir es, weil uns diese von Gott geschenkt wurde, weil wir alle Kinder des einen himmlischen Vaters sind. Der Heilige Martin von Tours, unser Diözesanpatron dem wir an diesem Sonntag gedenken hat das erkannt, als er mit dem zerlumpten Bettler seinen Mantel geteilt hat. Er hat gesehen, was dieser Mensch gerade am nötigsten gebraucht hat und entsprechend reagiert.

Liebe Schwestern und Brüder, nochmal: wir sind nicht gleich. Als Christen sind wir jedoch dazu aufgerufen gleich zu handeln, nämlich die Nächstenliebe zu leben, so wie zunächst Jesus und später der Heilige Martin und viele viele andere Heilige im Laufe der Geschichte es uns vorgelebt haben. Und zwar jeder gemäß seinen Möglichkeiten. Manche schneller andere langsamer, das ist in Ordnung. Das wichtige ist nur, dass wir das Talent nicht vergraben. Amen.