Predigt von Pfarrer Hof zum 32. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,

Über Fußballsuperstar Cristiano Ronaldo kann man gespaltener Auffassung sein. Die einen feiern und verehren ihn als einen der größten Fußballspieler aller Zeiten, die anderen verachten ihn aufgrund seines oft divenhaften Auftretens, seiner Staralüren, seines übergrößen Egos. Was man jedoch ganz objektiv feststellen kann, ist die Tatsache, dass er zwar mit einem durchaus beträchtlichen fußballerischen Talent gesegnet ist, sich jedoch vieles hart erarbeiten musste. Ein gutes Beispiel dafür ist der große Lockdown im Frühjahr, als über Wochen hinweg keinerlei Fußballspiele stattfinden durften. Für die Profis war es tatsächlich ein nicht zu verachtendes Problem, den eigenen Körper auf Wettkampfniveau zu halten. Die allermeisten Profis hatten überschaubare Werte als die Mediziner sie vor Wiederaufnahme des Spielbetriebs durchcheckten. Bei Ronaldo hingegen staunten die Ärzte nicht schlecht, als sie die Ergebnisse sahen: seine Werte waren sogar besser gewesen als jene vor dem Lockdown. Offenbar war es ihm gelungen seine Motivation über Wochen so hoch zu halten, dass er sogar mehr als bereit war, als es wieder losging. Seitdem hat er da weitergemacht wo er vor Corona aufgehört hat: Tore schießen wie am Fließband.

Liebe Schwestern und Brüder, nun möchte ich heute ganz bestimmt keine Lobeshymne auf eine der Diven des Fußballs halten, aber für mich liegen die Parallelen zwischen der Bereitschaft Ronaldos und dem heutigen Evangelium geradezu auf der Hand. Da haben wir von zehn Jungfrauen gehört, die auf die Ankunft des Bräutigams warten. Die einen hatten sich für den Fall vorbereitet, dass er bei Nacht kommen würde und sich mit Öl für ihre Lampen ausgestattet, die anderen nicht. Doch es dauerte eine ganze Weile, bis der Bräutigam kam, sodass sie alle müde wurden und einschliefen. Wie müssen wir dieses, zugegeben nicht ganz einfache Gleichnis Jesu verstehen?

Egal welchen Kirchenvater man sich nun anschaut, ob das Gregor der Große, Hieronymus oder Augustinus ist; alle sind sich in einer Sache einig: das Öl, das die fünf klugen Jungfrauen mit dabei haben steht für ihre guten Werke. Jene Taten die sie im Laufe ihres Lebens vollbracht haben, da wo sie die Weisungen Jesu befolgt und seine Gebote umgesetzt haben. So wie es an einer anderen Stelle im Evangelium heißt: eure Werke sollen als Licht vor den Menschen leuchten.

Doch wie müssen wir jenen Vers verstehen, als die törichten Jungfrauen die klugen bitten, ihnen etwas von ihrem Öl abzugeben? Es gibt Menschen, die sich nur dann zu guten Taten bewegen lassen, wenn sie genau wissen, dass sie dafür etwas erhalten; sei es materieller Art oder Lob, Anerkennung oder Dankbarkeit. Der heilige Augustinus wagt deshalb einen interessanten Versuch einer Deutung für diesen Vers: wenn die Taten eines Menschen nur in fremdem Lob glänzen, lassen sie ohne Lob in ihrem Glanz nach; daher erlöschen auch ihre Lampen.

Liebe Schwestern und Brüder. In einer Zeit in der es normal zu sein scheint, dass immer mehr Menschen Gott und seiner Kirche den Rücken zukehren, ist es schwer sich auch weiterhin zu beidem zu bekennen und es wird durch die regelmäßigen negativen Schlagzeilen über kirchliche Vertreter nicht leichter. Aber Ermutigung und Motivation um doch an Gott und seiner Kirche festzuhalten, können wir vor allem auch aus diesen uralten Worten ziehen, die eben doch nicht von vorgestern sind, sondern lebendig und brandaktuell! Heute lesen wir im Evangelium, dass die Jungfrauen die vorbereitet waren auf die Ankunft des Bräutigams mit ihm in den Hochzeitssaal gehen, während die anderen das Nachsehen haben. An einer anderen Stelle heißt es ausdrücklich, dass derjenige der bis zuletzt standhaft bleibt gerettet werden wird. Christsein ist nichts für Halbherzige. Wenn wir vor Christus stehen dann gibt es keine Ausreden mehr, nichts was wir ihm vorhalten könnten, außer unseren guten Werken. Es ist also absolut sinnvoll nicht nachzulassen und gewissermaßen Vorsorge zu treffen. Mit allem anderen machen wir das völlig selbstverständlich, warum dann nicht auch in der einen Sache, auf die es wirklich ankommt? Auf die es deswegen ankommt, weil sie ewig sein wird. So möchte ich mit den Worten aus dem Matthäusevangelium schließen: Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen!