Predigt von Pfarrer Hof zum 3. Fastensonntag

Liebe Schwestern und Brüder,

In der vergangenen Woche und vor allem in den vergangenen Tagen hat die Corona-Pandemie so richtig an Fahrt aufgenommen. Schon vorher kamen regelmäßig neue Updates mit Anweisungen zu Präventionsmaßnahmen von unseren Leitungsstellen; ganz egal ob das die Bundesregierung, Schulbehörden oder unsere Diözesanleitung waren. Doch in der vergangenen Woche verging eigentlich kein Tag mehr, ohne dass nicht eine oder gar mehrere Mails kamen, um uns über die neuesten Entscheidungen zu informieren. Gott sei Dank hat es Deutschland bisher nicht so hart getroffen, wie beispielsweise Italien, aber auch hierzulande und leider auch in unserer Seelsorgeeinheit waren wir gezwungen, Veranstaltungen abzusagen. Und auch wenn man in die Supermärkte schaut, muss man feststellen, dass es bei manchen Produkten bereits zu Lieferengpässen gekommen ist. Die amerikanische Börse ist im Sturzflug, Fluggesellschaften streichen abertausende von Flügen, ganze Länder schotten sich ab und machen dicht. Es ist wirklich erstaunlich was so ein winzig kleines Virus für einen riesenhaften Schaden anrichten kann und die ganze Welt im Schwitzkasten hält und das öffentliche Leben mehr oder weniger zum Erliegen kommt. Erst in so einer Situation merken wir, wie fragil unsere Welt tatsächlich ist und sogar die selbstverständlichsten Dinge in Wahrheit alles andere als selbstverständlich sind.

Liebe Schwestern und Brüder, Gerade in der aktuellen Situation, in der uns das schlagartig bewusst wird, ist es so wichtig etwas zu haben, an dem wir uns festhalten und orientieren können. Auch deswegen finde ich persönlich es so schlimm, dass diese Seuche auch unsere Kirche erfasst hat und wir den Gottesdienst in Wildpoltsweiler mit Krankensalbung, sowie die Gottesdienste in Neukirch und Goppertsweiler kurzfristig abgesagt haben. Und tatsächlich reagieren die verschiedenen Bischofskonferenzen auch ganz unterschiedlich. Während die italienischen Bischöfe sämtliche Gottesdienste abgesagt haben und selbst der Vatikan abgeriegelt ist, haben sich die polnischen Bischöfe dafür entschieden mehr Heilige Messen anzubieten und zu feiern. Ich persönlich glaube, dass wir momentan tatsächlich genau in dieser Spannung leben: zwischen vernünftiger Präventionsmaßnahmen auf der einen Seite und einem Glauben und dem Vertrauen auf die Allmacht Gottes. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Selbstverständlich glaube ich an die Allmacht Gottes aber es ist auch klar, dass er sich dafür entschieden hat uns Menschen eine Mitverantwortung zu geben. Das zeigt sich schon ganz zu Beginn der Heiligen Schrift, als er uns seine Schöpfung anvertraut hat und auch darin, dass Gott nicht etwa im schönsten Palast in der Hauptstadt der Welt Mensch geworden ist, sondern in einem kleinen komplett unbedeutenden Kuhkaff und seine wichtigsten Mitarbeiter nicht gerade das nennen konnte, was man als wahnsinnig kompetent bezeichnen könnte. Gott hat uns Menschen in seiner Allmacht eine durchaus beträchtliche Eigenständigkeit eingeräumt. Und aus diesem Grund ist es auch klar, dass in der aktuellen Situation selbst manche Gottesdienste abgesagt werden, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Das bedeutet aber nicht, dass Gott uns deswegen alleine lässt und wir unseren Glauben und unser Vertrauen in Gott aufgeben sollen oder gar müssen. Ganz im Gegenteil bedeutet der Schulausfall für mich beispielsweise, dass ich mich momentan wieder mehr darauf konzentrieren kann und muss, meine Grunddienste wahrzunehmen, wie z.B. die Krankenkommunion oder Krankensalbung. Und ich glaube, dass es in diesen Stunden und Tagen ganz zentral ist, dass wir gemeinsam, als Christenheit zu Gott beten und ihn darum zu bitten, dass wir diese Seuche schnellstmöglich in den Griff bekommen.

Liebe Schwestern und Brüder, da wir mittlerweile auch schon Gottesdienste absagen mussten und wir nicht absehen können, was die nächsten Stunden und Tage bringen, kann es sehr gut sein, dass auch die Kar- und Ostertage betroffen sein werden. Weil wir Sie aber gerade in dieser schwierigen Situation nicht alleine lassen wollen, sind wir bereits dabei Überlegungen zu konkretisieren, wie wir Ihnen die Gottesdienste per Livestream oder Video im Internet nach Hause bringen können.
Ich glaube, dass uns die Corona-Pandemie gerade lehrt, dass alles was wir eigentlich als Selbstverständlichkeit ansehen in Wirklichkeit Schall und Rauch ist oder wie die Schrift sagt Windhauch ist.

Liebe Schwestern und Brüder, die Frau die Jesus am Jakobsbrunnen getroffen hat und auch seine Jünger zeigen uns im heutigen Evangelium, dass auch sie mit ihrem Denken gänzlich im Weltlichen verhaftet sind, wenn sie ihn nach dem Wasser, bzw. nach der Speise fragen von der er spricht. Wir Menschen sind einfach so und diese Frau und die Apostel stellen dabei keine Ausnahme dar, dass wir uns zunächst um das Irdische Sorgen machen, zuerst nur auf uns schauen und in unserer Panik ganze Regale leer kaufen; ist mir doch egal, wenn der andere nichts mehr kriegt. Doch Jesus spricht heute vom sprudelnden Wasser das er geben wird und davon, dass es seine Speise ist, den Willen des Vaters zu tun. Der Glaube an Gott ist eben mehr als nur das Sahnehäubchen, sondern Gott ist unser Fundament, der Grund unserer Existenz. Setzen wir unser Vertrauen in Gott, denn er wird uns auch und gerade in dieser schwierigen Zeit nicht alleine lassen.

Ihr Pfarrer Simon Hof