Predigt von Pfarrer Hof zum 28. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,

Wer als Kind gehört hat, dass Gott lieb ist, der muss schockiert sein, wenn er dann im Laufe seines Heranwachsens die Bibel zur Hand nimmt und sich entschließt darin zu lesen. Da sind zunächst die Erzählungen des Alten Testaments die alles andere als nett, lieb oder süß sind. Aber auch im Neuen Testament und in den Evangelien gibt es eben zahlreiche Stellen in denen es einfach richtig zur Sache geht und man sich mit der Brille unserer Zeit schwer tut die Liebe Gottes zu erkennen. Kann man von einem liebenden Gott sprechen, der das ägyptische Heer ertrinken lässt? Kann man von einem liebenden Gott sprechen, der es zulässt, dass sein einziger Sohn qualvoll am Kreuz stirbt? Kann man von einem liebenden Gott sprechen, der jemanden der nicht angemessen gekleidet ist zur Hochzeit hochkant hinaus schmeißt?

Liebe Schwestern und Brüder. Mit der Brille unserer Zeit wären diese Fragen ganz einfach zu beantworten, nämlich mit einem klaren und deutlichen Nein. Auf den ersten Blick erscheint es grausam, dass Gott das ägyptische Heer regelrecht in eine Falle lockt, die dann eiskalt zuschnappt; es erscheint irrsinnig, dass Jesus wie ein Verbrecher am Kreuz stirbt und es erscheint übertrieben hart wenn der Vater des Bräutigams im heutigen Gleichnis einen Gast hinausschmeißt, nur weil dieser nicht angemessen gekleidet ist. Wie gesagt, auf den ersten Blick. Doch fehlt bei all diesen Vorwürfen die Frage nach dem warum? Warum handelt Gott so? Die Antwort ist in meinen Augen ganz einfach: weil er es ernst meint!

Gott meint es eben ernst, dass Israel tatsächlich sein Volk ist, dass er alles andere als einverstanden ist unter welchen Bedingungen es in Ägypten leben musste und gezeigt hat, dass er sehr wohl die Macht besitzt, um sein Volk selbst aus aussichtslosen Situationen heraus zu befreien. Gott meint es ernst, dass er uns liebt, so sehr sogar dass er alles für uns tun würde und durch seinen Sohn den Tod für uns besiegt. Und Gott meint es ernst, dass es etwas von uns erfordert, wenn wir uns für ihn entscheiden.

Liebe Schwestern und Brüder. Wenn mir etwas wichtig ist, dann tue ich auch etwas dafür. Für manche von uns mag das kleinlich oder äußerlich wirken, doch es fängt schon damit an wie ich mich kleide. Wenn ich Bäume fällen gehe, dann ist es vermutlich keine gute Idee wenn ich mir zu diesem Zweck keine entsprechende Schutzkleidung und am besten noch Sandalen anziehe. Wenn ich auf eine Hochzeit gehe, dann wäre es vermutlich empfehlenswert nicht mit Jogginghose und T Shirt zu kommen. Schon unser Äußeres sagt also viel darüber aus ob wir das was wir vorhaben auch wirklich ernst nehmen oder ob wir nur halbe Sachen machen. Der Vater im Gleichnis fragt den Gast ohne Hochzeitsgewand sogar warum er nicht passend gekleidet zum Fest gekommen ist. Doch dieser bleibt stumm heißt es im Evangelium. Wir können nun darüber spekulieren warum er stumm bleibt. Meine Interpretation ist folgende: „ich wurde zu diesem Hochzeitsmahl eingeladen und wollte ein bisschen gutes Essen abstauben, aber im Prinzip ist mir deine Party egal.“

Gott meint es ernst! Er meint es sogar tot ernst! Wenn wir sein Angebot annehmen wollen gibt es kein vielleicht, es gibt keine halben Sachen, keine passive Mitgliedschaft wie in einem Verein. Gott möchte, dass wir sein Angebot, die Beziehung mit ihm, das ewige Leben in seiner Herrlichkeit, annehmen. In der Taufe legen wir dafür den Grundstein doch diese Entscheidung erfordert von uns, dass wir zu seinem Plan Ja sagen. Und dieses Ja bedeutet zwangsläufig, dass es so einiges auf unserer Welt gibt, zu dem wir Christen nein sagen müssen. Es wird uns als Kirche oft genug vorgeworfen, dass wir doch froh sein sollen, wenn die Leute überhaupt kommen und nicht noch anfangen Forderungen zu stellen, was Christsein für Konsequenzen hat.

Ich weiß es selbst nur zu gut, dass das lästig ist, dass das anstrengend ist und richtig an die Substanz gehen kann, wenn einem permanent Gegenwind ins Gesicht bläst. Gott lädt uns zu diesem Hochzeitsmahl ein. Es ist alles gratis, aber nicht umsonst. Nur eines ist von unserer Seite her notwendig: es ernst nehmen. Amen.