Predigt von Pfarrer Hof zum 27. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,

Ich persönlich finde, dass sich das heutige Evangelium hier im Argental, im Ländlichen nochmal ganz anders anhört als beispielsweise in der Großstadt. Die allermeisten Menschen hier sind mit den Abläufen der Landwirtschaft vertraut. Bevor die Saat ausgebracht wird, muss das Feld bestellt, bzw. vorbereitet werden, dann muss einiges an Zeit und Pflege ins Land gehen, bevor man dann zu einer recht festgelegten Zeit ernten kann. Es ist im Prinzip ganz einfach: wenn ein Landwirt einen Samen aufs Feld streut, dann weiß er bereits was das für eine Pflanzen werden und was für Früchte sie tragen wird. Bei uns Menschen ist das schon deutlich komplizierter. Sicher, es gibt viele Kinder, bei denen zeichnet sich schon sehr früh ab, dass auch sie ein vergleichbares Talent besitzen, um später mal den Beruf des Vaters oder der Mutter auszuüben. Doch mittlerweile ist das in weiten Bereichen unserer Gesellschaft eher die Ausnahme: die beruflichen Möglichkeiten waren noch nie so vielfältig wie in unserer Zeit; ja es ist sogar inzwischen ganz normal, dass die Kinder die heute geboren werden später mal einen Beruf erlernen werden, bzw. können, den es zum Zeitpunkt ihrer Geburt noch gar nicht gab. So schön es sicherlich ist, dass es diese Bandbreite an Möglichkeiten gibt – es trägt nicht unbedingt dazu bei, dass die Lebenswege der Menschen dadurch einfacher oder geradliniger verlaufen wie früher. Ganz im Gegenteil. Ich habe den Eindruck, dass viele heranwachsende Menschen durchaus auch überfordert sind und gar nicht wissen was sie wählen sollen. Meine Beobachtung in den letzten Jahren ist die, dass diese Fülle an Optionen auch dazu führen kann, dass man sich erstmal gar nicht so sehr festlegen, dass man sich alles offen lassen möchte, was wiederum zu einer größeren Verunsicherung führt. Die Frage „wer bin ich? Und was mach ich hier eigentlich?“ wird so natürlich schwieriger zu beantworten.

Liebe Schwestern und Brüder. Ich möchte dieses Überangebot an beruflichen Chancen gar nicht grundsätzlich schlecht reden, aber ich glaube, dass es gerade auf dem heutigen Arbeitsmarkt wichtiger denn je ist, jemanden an der Seite zu haben der mich leitet, der mir dabei hilft mich zu orientieren, mich zurecht zu finden und zwar schlicht weil er mich gut kennt. Wäre es da nicht am sinnvollsten sich an denjenigen zu wenden, der uns besser kennt als wir uns selbst? Denjenigen der uns unsere Talente mit auf den Weg gegeben hat und genau weiß wie und wo wir sie am besten einsetzen könnten? Und im Prinzip ist das nicht nur in beruflichen Fragen der Fall, sondern bei allen Fragen die sich mir in meinem Leben stellen. Es gibt in unserem Leben so manche große Weggabelung an der wir uns entscheiden müssen, in welche Richtung es gehen soll. Doch im Prinzip gibt es diese Abzweige jeden Tag, im Geschäft und in den heimischen vier Wänden. Schrei ich meinen Kollegen jetzt an und falte ihn so richtig zusammen, weil er diese eine Sache verbockt hat? Oder weise ich ihn nur darauf hin, dass es so nicht geht, weil ich genau weiß, dass auch mir früher oder später mal wieder ein Fehler unterläuft und ich dann selber froh bin, wenn man mich nicht gleich ungespitzt in den Boden rammt?

Liebe Schwestern und Brüder. Im heutigen Evangelium geht es um die Frage nach den Früchten. Gott hat uns seinen Weinberg hinterlassen und erwartet, dass wir ihm die Früchte bringen. Er hat uns geschaffen, mit unseren Talenten und Begabungen, damit wir mit anpacken und helfen, sein Reich schon hier auf Erden aufzubauen. Die Frage ist was wir mit ihnen anfangen. Nutzen wir sie, damit es nur uns und unserem nächsten Umfeld gut geht? Oder setzen wir sie auch für andere ein? Denn machen wir uns nichts vor: es wird der Tag kommen, an dem der Herr des Weinbergs die Früchte sehen will. Wenn ich mir da so manchen Öl-Scheich anschaue: was wollen die mal vorweisen? Ihre Fußballvereine in die sie Milliarden gebuttert haben während links und rechts Menschen das Nötigste fehlt?  Wer auf diesen Stein fällt, wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen. Sagt Jesus uns im heutigen Evangelium. Ich möchte mit den Worten des Heiligen Apostels Paulus enden, der sich auch seine Gedanken gemacht hat, was diese Worte Jesu für uns bedeuten und was Gott eigentlich von uns verlangt: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht! Und was ihr gelernt und angenommen, gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein. Amen.