Predigt von Pfarrer Hof zum 26. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,

Haben Sie es schon mal erlebt, dass ein Kind wenn es bei etwas ertappt wird das es nicht tun soll oder darf, Sie mit ernstem Gesicht anschaut und zugibt „ja, ich war´s?“ Also mir zumindest wäre das neu. Nein, die normale Reaktion eines Kindes ist es, entweder so zu tun als sei nichts gewesen, verlegen wegzuschauen oder möglicherweise anfangen zu weinen. Einen Fehler zuzugeben ist etwas das wir erst im Laufe unseres Lebens lernen. Tatsächlich scheint mir jedoch, dass wir mehr und mehr in einer Zeit leben, in der man keine Fehler zugibt, ja mehr noch, in der wir die Fehler stets beim anderen suchen, als mal danach zu schauen ob mein Verhalten wirklich so einwandfrei war. Bei Gott machen wir da keine Ausnahme. Anstatt, dass wir zu dem stehen würden was wir in unserem Leben alles so verbocken, schieben wir den schwarzen Peter lieber Gott zu. Papst Benedikt XVI hat dazu einmal gesagt: nicht mehr der Mensch glaubt der Rechenschaft vor Gott zu bedürfen. Er ist der Meinung, dass Gott sich rechtfertigen müsse angesichts alles Schrecklichen in der Welt und angesichts aller Mühsal des Menschseins, das letztlich doch alles auf sein Konto geht.

Liebe Schwestern und Brüder. Für mich hat unser inzwischen emeritierter Pontifex damit den Nagel einmal mehr auf den Kopf getroffen. Wie oft höre ich den Vorwurf warum es so viel Leid auf der Welt gäbe. Ein Vorwurf der am Ende immer Gott zu Lasten gelegt wird. Wenn es einen allmächtigen und gerechten Gott gibt, dann kann er nicht gerecht sein, angesichts des Unrechts und seines Nicht-Eingreifens in der Welt. Das ist genau die Frage die uns heute in der alttestamentlichen Lesung aus dem Buch Ezechiel begegnet. Im 6. Jh. v. Chr. Befand sich die Oberschicht des jüdischen Volkes in babylonischer Gefangenschaft. Es war eine Zeit in der der Glaube an diesen allmächtigen Gott, der doch angeblich seinen Bund mit dem Volk geschlossen hatte und es vor allen anderen Völkern als das Seine erwählt hatte vor genau der gleichen Frage stand: Ein Gott, der die Söhne für die Schuld der Väter sterben lässt, ist ungerecht; ein ungerechter Gott ist aber kein Gott. Dieser Vorwurf kommt uns bekannt vor. Der Prophet Ezechiel stellt daraufhin richtig: Gott bestraft jeden nur für seine persönliche Schuld, und auch dafür nicht, wenn er sich bekehrt hat. „Wenn ein Schuldiger von dem Unrecht umkehrt, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren.“

Liebe Schwestern und Brüder. Als wir in meiner Heimatgemeinde um die Jahrtausendwende herum einen neuen Pfarrer bekamen war es eine seiner ersten Maßnahmen die regelmäßigen Beichttermine abzuschaffen. Lediglich gegen telefonische Voranmeldung war es noch möglich dieses Sakrament zu empfangen. Als ich dann an meine erste Vikarsstelle kam musste ich erschrocken feststellen, dass dies auch dort der Fall war, woraufhin ich meinen Prinzipal gebeten habe das wieder anzubieten. Und auch hier im Argental existierte die Möglichkeit einer Beichtgelegenheit nur noch auf dem Papier. Jetzt in Corona-Zeiten ist ohnehin alles noch mal umständlicher und schwieriger geworden.

Es ist eigentlich vollkommen egal mit wem ich mich unterhalte: die allerwenigsten Menschen, ja selbst eifrige Kirchgänger haben oft kein Interesse mehr daran dieses Sakrament zu empfangen. Wenn ich nachfrage warum, sind die Gründe vielfältige aber meistens sind es vor allem schlechte Erfahrungen bei der Beichte in der Jugend und Kindheit, sodass man sich entschieden hat, dass man das nicht mehr braucht. Liebe Schwestern und Brüder. Auch ich selbst habe schon schlechte Beichterfahrungen gemacht und habe obendrein noch haarsträubende Geschichten von Menschen gehört die beim Beichten waren und sich – durchaus zu recht – über ihre Beichtväter aufgeregt haben. Das ist verständlich und es ist im höchsten Maße ärgerlich, wenn ein Beichtvater es nicht schafft dem Beichtenden durch seinen Zuspruch und durch die Absolution die Last von der Seele zu nehmen. Doch davon muss die Entscheidung, nicht zur Beichte zu gehen ausgenommen bleiben. Ich möchte Sie heute eindringlich ermutigen: lassen Sie sich dieses unfassbar wichtige Sakrament nicht von uns Priestern stehlen, madig oder gar kaputt machen! Denn im Sakrament der Versöhnung geschieht in der reinsten Form das was Jesus uns im Evangelium zuruft: Johannes der Täufer ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt. Wenn wir nicht bereit sind unsere Fehler zu bereuen und umzukehren werden wir sein wie der zweite Sohn im Gleichnis und unsere Beziehung zu Gott wird nicht wachsen können. Reue und Umkehr. Amen.