Predigt von Pfarrer Hof zum 24. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,

Was haben Filme wie Gladiator, the Revenant und John Wick gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel: der eine spielt im Römischen Reich zu Zeiten Kaiser Commodus´, der zweite während des Kampfes der Indianer in Amerika ums Überleben gegen die Europäer und der dritte spielt in der Gegenwart. Das Thema jedoch ist bei allen Filmen, so unterschiedlich sie auch sein mögen gleich: es geht um Rache. Dem Protagonisten wurde jemand gewaltsam genommen und nun sinnt er auf Rache und Vergeltung. In allen drei Filmen gelingt ihm sein Rachefeldzug. Besonders bei „the revenant“, als der Hauptcharakter seinem Feind am Ende auf geradezu bestialische Art und Weise das Leben nimmt und der kurz darauf einen seltsamen Blick in die Kamera wirft, ist man geneigt ihn zu fragen: und jetzt? Was hast du jetzt davon, dass dein Feind tot ist? Geht’s dir nun tatsächlich besser? Der Blick direkt in die Kamera am Ende des Films lässt die Antwort erahnen. Eigentlich nicht.

Liebe Schwestern und Brüder. So sehr ich auch große Blockbuster liebe, so wenig bin ich mit der Thematik dieser Filme, bzw. mit der Handlungsweise von vielen ihrer Hauptcharaktere einverstanden. Es sind Menschen die ganz offenbar nie die Worte aus dem heutigen Evangelium gehört haben als Petrus Jesus fragt „wie oft muss ich meinem Bruder vergeben? Bis zu Siebenmal“ mit der berühmten Antwort Jesu „nicht sieben Mal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal.“ Wir sollen immer unserem Nächsten, demjenigen der an uns schuldig geworden ist, vergeben. Klar, im Falle der drei Protagonisten der genannten Filme ist das Unrecht das ihnen angetan wurde natürlich gewaltig: geliebte Menschen wurden ihnen genommen, indem sie umgebracht wurden. Doch, dass es gar nicht ein derartiges Unrecht sein muss, dass uns die

Vergebung, d.h. eine echte Vergebung schwer fällt, das wissen denke ich die meisten von Ihnen. Es gibt einfach immer wieder diese Momente in unserem Leben, in denen wir unserem Gegenüber am liebsten einen Kopf kürzer machen würden, wenn er oder sie uns belogen, hintergangen oder sich auf welche Weise auch immer an uns versündigt hat. Es ist leider allzu menschlich, dass in solchen Momenten die Wut in uns aufsteigt. Deswegen ist es glaube ich ganz entscheidend, dass wir uns bewusst machen, dass solche Momente Wunden in uns hinterlassen. Wunden die oft sogar schmerzhafter sind wie eine körperliche. Bei unserem Körper scheint es uns relativ klar und einleuchtend zu sein: wenn wir uns geschnitten haben muss die Wunde versorgt werden. Sie muss gereinigt und gepflegt werden, bis sie schließlich verheilen kann. Merkwürdigerweise gehen wir da mit unserer Seele ganz anders um: mir scheint, dass immer weniger Menschen tatsächlich mit ihren seelischen Verletzungen umzugehen wissen. Viel zu oft werden sie verschwiegen oder beispielsweise durch Alkohol ertränkt.

Und es gibt eine Haltung die unsere seelischen Wunden verschlimmern und uns geradezu zermürben kann: das Nicht-Loslassen-Können, das Nicht-Vergeben-Können. Alleine schon der ständige Gedanke, dass mir Unrecht angetan wurde kann buchstäblich lähmend für mein Leben wirken. Jesus eröffnet uns deswegen einen Weg der zu unserem Heil beiträgt: wir sollen vergeben.

Liebe Schwestern und Brüder. Wie bei einer körperlichen Wunde, so brauchen auch unsere seelischen Wunden Zeit bis sie verheilen. Doch bevor sie verheilen oder besser damit sie wahrhaft verheilen können und wir nicht einfach nur unwirsch erklärt haben „Schwamm drüber“, dabei kochen wir unter der Oberfläche noch geradezu über vor Zorn, braucht es Zeit. Und wenn wir soweit sind müssen wir vergeben. Es mag vielleicht so sein, dass wir manchmal gar nicht genau wissen wie das gehen soll, das Vergeben. Nun, ein erster Schritt ist es sicherlich es auszusprechen: „ich vergebe dir.“

Während in Gladiator, the Revenant und John Wick die Übeltäter am Schluss dran glauben müssen, endet ein anderer Racheepos gänzlich anders: Im elffach oscarpremierten Meisterwerk Ben Hur von 1959 sagt der Protagonist, nach dem wir ihm zuvor über drei Stunden lang haben hasserfüllt über die Leinwand, bzw. den Bildschirm laufen sehen, „kurz bevor er starb“ – damit mein er Jesus „kurz bevor er starb hörte ich ihn sagen „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“ Und nach einer kurzen Pause fährt er fort „und ich fühlte, dass seine Stimme das Schwert aus meiner Hand nahm.“

Liebe Schwestern und Brüder. Jesus selbst hat es uns vorgemacht, hat uns den Weg der Vergebung gezeigt. Nur wenn wir auf ihn, auf seine Stimme hören, werden wir wahrhaft vergeben können und dann wird unsere Seele heilen. Nicht umsonst beten wir in jeder Eucharistiefeier: Herr ich bin nicht würdig, dass du einkehrst unter mein Dach. Aber sprich nur ein Wort so wird meine Seele gesund. Amen.