Predigt von Pfarrer Hof zum 18. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,

Die westliche Zivilisation hat für alles eine Versicherung. Neben den üblichen KFZ- und Haushaltsversicherungen gibt es noch alles mögliche was man versichern lassen kann. Am kreativsten sind die Stars und Sternchen aus der Unterhaltungsbranche, die teilweise sogar Körperteile versichern lassen. Ex-Fußball-Superstar David Beckham hat sich seine Beine für unglaubliche 51 Mio. Dollar absichern lassen, während Hollywood-Schauspielerin Julia Roberts eine Police für ihr Lächeln für schlappe 21 Mio Dollar abgeschlossen hat. Das beste jedoch finde ich, dass es sogar eine Lebensversicherung gibt. Spitzzüngig könnte man also sagen, dass wir sogar gegen das Leben, bzw. gegen unseren Tod versichert sind. Natürlich profitiert davon nicht der Verstorbene selbst, sondern dessen Hinterbliebene. Man kann also denke ich ohne zu übertreiben sagen, dass wir uns gerne gegen jede Eventualität absichern wollen. Und genau deswegen bin ich fest davon überzeugt, dass der christliche Glaube nach wie vor relevant ist, ja mehr noch, dass der Glaube an Jesus die beste Lebensversicherung ist, die man überhaupt haben kann.

Liebe Schwestern und Brüder. Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hören wir den Propheten Jesaja in der ersten Lesung die Worte Gottes verkünden. Wir leben in einer Gesellschaft in der es vollkommen normal ist, dass wir ständig von Werbung umgeben sind. Wenn wir ein Internetvideo aufrufen werden wir zunächst mal mit ein zwei Werbeblocks vollgemüllt. Wenn wir die Zeitung aufschlagen ist garantiert irgendwo eine Werbung geschaltet, wenn wir das Radio anmachen wird uns mit einer überdrehten Stimme irgendein Produkt angeboten. Ich weiß nicht wie es Ihnen dabei geht, aber ich frage mich ganz häufig: wer braucht denn das ganze Zeug? Und ich habe den Eindruck: je mehr einer besitzt, desto mehr braucht er.

Im Evangelium heute haben wir davon gehört, dass Jesus die vielen tausend zunächst gelehrt und ihnen dann zu essen gegeben hat. Die Rede ist von fünftausend Männern und dann noch Frauen und Kinder. Es ist also eine gewaltige Menge, die da zusammengekommen ist. Und Jesus gibt ihnen was sie brauchen. Durch seine Worte Nahrung für die Seele und durch die wundersame Brotvermehrung Nahrung für den Körper.

In der westlichen Hemisphäre haben wir von der Nahrung für unsere Körper mehr als genug. Auch die Nahrung für die Seele wäre eigentlich ausreichend vorhanden – doch irgendwie wird immer mehr Menschen der Zugang schwieriger. Zwischen den vielen exotischen Weltanschauungen und den verschiedenen Lebensgestaltungstipps geraten die Worte Jesu bei vielen in den Hintergrund. Und ehrlich gesagt finde ich das auch nicht weiter verwunderlich. Denn die Bibel ist nicht unbedingt das was wir als derart toll geschrieben bezeichnen würden, dass wir sie vor lauter Spannung nicht aus der Hand legen könnten und bis in die späte Nacht hinein weiterlesen müssen. Für mich waren in den vergangenen Wochen vor allem Bücher über das Buch der Bücher sehr hilfreich, um manches auch nochmal neu oder anders zu verstehen. Große Persönlichkeiten der Kirchengeschichte wie Teresa von Avila, Katharina von Siena oder Papst Benedikt XVI waren und sind Menschen, die uns etwas über das Wort Gottes sagen können, eben weil sie immer im Gespräch mit Gott waren. Weil sie nicht bei der ersten schwierigen Stelle enttäuscht das Buch zugeklappt und weggestellt, sondern sich damit auseinandergesetzt haben und der Frage nachgegangen sind „Gott, was möchtest du mir damit sagen?“ Die Antworten die sie dabei im Laufe ihres Lebens erhalten und gewonnen haben, sind nun für jedermann zugänglich und ermöglichen es auch uns die heilige Schrift besser zu verstehen.

Liebe Schwestern und Brüder. Auf diesen uralten Seiten ist eine Lebensversicherung abgedruckt, die sämtliche Versicherungen zu gerne in ihr Angebot aufnehmen würden. Doch bei dieser ist es nicht damit getan, dass ich monatlich ein paar Euro dafür einzahle, sondern sie erfordert eine konsequente Entscheidung von mir. Eine Entscheidung für Jesus, seine Botschaft und das ewige Leben. Seine Botschaft lautet, dass wir einander lieben sollen. Gott und den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Ich denke die entscheidende Frage ist heute: wie soll ich mich in Gott verlieben, wenn ich mich nicht mit ihm beschäftige?