Predigt von Pfarrer Hof zum 17. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,

Sind Sie ein Sammler? Gibt es etwas wofür Sie leidenschaftlich Geld ausgeben? Eine Briefmarkensammlung, Gartenzwerge oder besondere Puppen? Etwas wofür Sie unglaublich viel Geld ausgeben, nur damit ein weiteres Teil in Ihrer Sammlung steht die dadurch an Wert zunimmt. Und wenn Sie Ihre Sammlung dann stolz Freunden und Bekannten zeigen lächeln diese zwar, können jedoch Ihre Begeisterung nicht verstehen und nicht nachvollziehen?  Ich denke so ähnlich muss man sich die Gleichnisse aus dem heutigen Evangelium vorstellen. Dort haben wir von zwei Männern gehört, die auf der Suche nach etwas ganz anderem sind. Der eine findet einen Schatz auf seinem Acker, freut sich aber gräbt ihn wieder ein und kauft den Acker. Auch der Perlensucher verkauft alles andere, nur um diese besonders schöne Perle haben zu können. Wenn man sich diese Gleichnisse unter wirtschaftlichen, d.h. ökonomischen Aspekten anschaut ist das was die beiden da machen absolut hirnrissig. Nicht nur, dass sie die beiden Dinge kaufen, sie verkaufen auch noch alles was sie besitzen, nur um diesen Schatz, bzw. diese Perle zu haben und jetzt kommt der Oberhammer: es wird zumindest hier im Evangelium mit keiner Silbe angedeutet, dass die beiden ihre Schätze möglichst gewinnbringend weiter verkaufen wollen, sondern sie behalten sie für sich. Wie gesagt: vom wirtschaftlichen Standpunkt her gesehen absoluter Quatsch. Doch Jesus will uns damit natürlich ganz eindrücklich vor Augen führen, was es heißt, sich um das Himmelreich zu bemühen. Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem, der alles was er besitzt verkauft, nur um es zu gewinnen.

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus fragt seine Zuhörer im Gleichnis ob sie das alles auch verstanden haben und sie sagen artig ja. Nun als ich dieses Evangelium bearbeitet habe, schoss mir im ersten Moment ganz unwillkürlich ein klares und ausdrückliches Nein durch den Kopf. Nein Jesus, ich habe dich nicht verstanden. Wie bescheuert ist es denn bitte einen Schatz zu finden, den Acker zu kaufen auf dem er begraben liegt und ihn dann auch noch wieder einbuddeln? Und ich habe dann recht lange darüber nachgedacht was Jesus uns damit sagen will, dabei liegt die Antwort doch auf der Hand: Das Himmelreich ist so wertvoll, dass es wert ist, dass wir alles daran setzen hinein zu gelangen. Ich glaube, dass es immer wieder das gleiche Lied ist. Bin ich bereit alles, aber auch wirklich alles zu geben, um zu Gott zu kommen? Und was bedeutet das eigentlich, alles zu geben? Es ist dieser eine Gedanke, der sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel zieht, nicht nur durch das Neue Testament und die Evangelien, sondern auch in den Schriften des Alten Testaments. Gott soll bei uns immer an erster Stelle stehen. Denn aus dieser Beziehung zu Gott erwächst alles andere. Also worum geht es konkret? Es bedeutet, dass es in meinem Leben nicht nur dann um Gott gehen soll, wenn ich mir am Sonntag eine Stunde für ihn Zeit nehme, sondern vor allem auch, dass er mich in meinem Alltag begleitet, privat aber auch beruflich. Wenn wir Entscheidungen zu treffen haben und uns nicht sicher sind, was das Richtige ist – schicken wir doch ein kurzes Gebet nach oben „Herr zeig mir was richtig ist.“ Es muss uns zuerst darum gehen zu schauen ob das was wir tun auch in seinem Sinn ist oder vielleicht doch eher für das Wohl meines Geldbeutels.

Und gerade deswegen finde ich dieses wirtschaftliche Gleichnis heute so schön, bei dem sich jedem Buchhalter die Fußnägel hochrollen. Wie kann man nur? Ganz einfach, weil dieser Schatz, dieses Himmelreich so viel mehr wert ist als alles andere, als aller Glanz der Welt, eben weil er nicht für immer hält. Und das in einer immer materialistischeren Welt zu verstehen ist definitiv nicht leicht. Liebe Schwestern und Brüder. An welcher Stelle steht bei Gott bei Ihnen? Oder noch deutlicher: wenn wir mal ehrlich zu uns selbst sind, dann wissen wir eigentlich ganz genau was wir tun müssten, um in das Himmelreich zu gelangen. Es liegt vor uns wie der Schatz oder die Perle im Gleichnis. Es ist lediglich die Frage welchen Einsatz wir dafür bringen. Im Poker nennt man diesen Schritt All-In. Alles was ich habe setze ich, im Vertrauen darauf zu gewinnen. Gehen wir All-In? Und wenn nein, was hindert uns daran?