Predigt von Pfarrer Hof zum 16. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,

Im gerade gehörten Evangelium redet Jesus über eine Figur, die für die Filmstudios Hollywoods ein überaus beliebter Protagonist ist, wenn es um das Drehen von Horrorfilmen geht, die für Kinder und Jugendliche ein sehr beliebtes Halloween und Faschingskostüm ist und die wir Theologen nicht mal mit der Beißzange anfassen wollen. Dabei müsste doch gerade die Theologie diejenige Disziplin sein, die sich mit ihm beschäftigt. Doch leider ist dieser Widersacher im Laufe der Jahrhunderte in der Theologie vor allem für einen Zweck verwendet worden: zur Angstmache für ein ungebildetes Volk. Möglichst drastisch und schrecklich wurden die Bilder in den Kirchen des Mittelalters und der Renaissance ausgemalt, damit das Kirchenvolk auch ja sehen konnte und immer vor Augen hatte, was ihm blühen würde, wenn es den Lehren der kirchlichen Obrigkeit nicht Folge leisten würde. Diese Überpointierung führte in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zum genauen Gegeneffekt: der Teufel wurde mystifiziert und schwach geredet, bis von ihm am Ende nur noch das heutige Bild übrig blieb: ein Schreckgespenst vergangener Tage. Das ist ja nicht mehr zeitgemäß, da hat man halt früher dran geglaubt. Heute sind wir doch so viel aufgeklärter.

Während die Leute schliefen, kam der Feind des Sämanns, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg. Liebe Schwestern und Brüder. Ich finde dieses Gleichnis Jesu ist so genial, weil es die ganze List und Tücke des Teufels zeigt. Es heißt eben nicht: Da kam der Feind und machte alles kaputt, sondern lediglich er säte Unkraut und der noch viel gemeinere Teil: er ging wieder weg. Der Versucher ist eben nicht derjenige, der mit Hörnern und Dreizack da sitzt und uns Angst einjagt, sondern er ist der, der auf heimtückische Art und Weise alles daran setzt uns von unserem Heil wegzubringen uns von Gott zu entfernen. Und er macht das so genial, dass wir es nicht einmal merken. Ich finde das beste Bild für sein Wirken, für die Art und Weise seines Handelns ist jenes von Simon Petrus, der Jesus davon abbringen will, am Kreuz zu sterben. Und für uns Menschen erscheint das was Petrus sagt nur gut. Dass er Jesus vor Leid beschützen will, eben das was man als guter Freund so macht und lieber Gott den schwarzen Peter zuschieben. Das ist aber gemein Gott, das darfst du nicht machen. Der Widersacher ist immer derjenige der uns mit der Stimme eines Freundes ins Ohr sülzt und uns von dem abbringen will was gut ist für uns oder anders herum gesagt, der uns zu dem verführen will, was schlecht ist für uns und uns von Gott entfernt.

Liebe Schwestern und Brüder, damit will ich nicht sagen, dass jeder Rat eines Freundes vom Teufel kommt, sondern dass es unheimlich schwer ist, diese Versuchung zu erkennen, eben weil es ganz häufig etwas ist, das so gut und so erstrebenswert erscheint. Ganz oft merken wir erst hinterher, dass es eine saudumme Entscheidung war. Mir wurde vor einigen Jahren von einem Freund ein geradezu sagenhafter Deal für einen Leasing-Vertrag für ein neues Auto angeboten. Zu absolut unglaublichen Konditionen hätte ich mir ein wunderschönes neues Auto her stellen können und in meinen Gedanken habe ich schon alles klar gemacht, habe schon alle Formalitäten geklärt gehabt und habe mich vor meinem geistigen Auge schon in meinem strahlend neuen Schlitten gesehen – bis mir glücklicherweise eine andere Stimme ins Gewissen geredet hat. Brauchst du das wirklich? Überleg mal, was das für eine Wirkung nach außen hat, wenn der (damals noch) Vikar da mit einer neuen schicken Karre vor fährt. Verstehen Sie mich nicht falsch. Damit will ich nicht generell den Kauf eines neuen Autos verteufeln, sondern lediglich sagen, dass ich festgestellt habe, dass es für mich in dieser Situation eine Versuchung gewesen ist.

Liebe Schwestern und Brüder, ich habe es gebeichtet, dass ich mich von diesem Angebot so habe ködern lassen, dass ich im Geiste schon auf großer Shopping-Tour war und ich kann Ihnen sagen, im Nachhinein bin ich wahnsinnig froh darüber es nicht getan zu haben und mehr noch, ich frage mich wie ich so blöd sein konnte, mich so leicht überrumpeln zu lassen. Der Teufel ist nichts wovor wir Angst haben müssten, doch wir müssen wachsam sein,dass er uns nicht heimlich überrumpelt und das geht nur, wenn wir zu uns selbst ehrlich sind und anerkennen, ja das war nicht in Ordnung was ich da gemacht habe.

Liebe Schwestern und Brüder. Jetzt ist es doch Sommer und alles freut sich auf die Ferien. Warum predige ich also über ein so schwer verdauliches Thema? Sie wissen sicher schon, dass mir das Thema Beichte und Versöhnung besonders am Herzen liegt. Nicht weil ich es ganz toll finde, wenn da möglichst viele Leute vor dem Beichtstuhl hocken – was momentan mit Corona ohnehin schwierig wäre - sondern weil ich die Versöhnung mit Gott so schön finde! Zu sagen, das was ich gedacht, gesagt oder getan habe tut mir Leid und zu wissen, dass er mir tatsächlich vergibt und unsere Beziehung dadurch fester und inniger wird, ist für mich etwas wunderbares. Unser emeritierter Papst Benedikt XVI. hat in einem Grußwort zur Trauerfeier des verstorbenen Kardinal Meisners von der Diktatur des Zeitgeistes gesprochen und, dass es den Alterzbischof Kölns gefreut habe im Bußsakrament zu erleben, wie gerade junge Menschen die Gnade der Vergebung erleben, ein Geschenk, das ihnen nur Gott geben kann. In diesem Sinne, wünsche auch ich Ihnen, dass Sie der Diktatur des Zeitgeistes widerstehen können, der uns sagt, dass das Sakrament der Versöhnung veraltet ist und nicht mehr gebraucht wird und, dass Sie diese Freude immer tiefer erfahren dürfen. Amen.