Predigt von Pfarrer Hof zum 15. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,

Ein Missverständnis, man hat aneinander vorbei geschwätzt. Wie oft kommt das in unserem Alltag vor, wie oft entsteht durch eine solche Unstimmigkeit Streit? Im Geschäft oder in der Familie? Der eine hat etwas gesagt und der andere etwas völlig anderes gehört und setzt das Gehörte nun so um, wie er glaubt es gehört und vor allem verstanden zu haben. Und wenn derjenige der etwas gesagt hat dann verwundert nachfragt warum hast du das so gemacht, bekommt er die Antwort, wieso? Das hast du doch gesagt! Einer sagt etwas und ein anderer hört es zwar, aber dadurch, dass eigentlich bei allem was wir hören unterbewusst auch eine Interpretation mitschwingt kann es tatsächlich passieren, dass das Gehörte mit dem Gesagten so gut wie nichts zu tun hat. Es ist manchmal wirklich faszinierend zu sehen, wie sogar erwachsene Menschen komplett aneinander vorbei schwätzen können, hinterher gekränkt sind und sich schließlich gegenseitig der Lüge bezichtigen – und das Verrückte ist: beide haben Recht. Denn wenn man sich dann mal die Mühe macht und die zwei verschiedenen Seiten anhört, kann man als Außenstehender oft erkennen an welcher Stelle es zum Missverständnis gekommen ist und versuchen dabei zu helfen den Streit zu schlichten.

Liebe Schwestern und Brüder. Wenn schon bei Menschen, die die gleiche Sprache sprechen und eigentlich auch von

Dingen reden von denen beide eine Ahnung haben, derart häufig teils fürchterliche Missverständnisse entstehen können, wie viel schwieriger muss es dann für Gott sein, mit uns Menschen über etwas zu sprechen von dem wir keine Ahnung haben. Sicher, Jesus hat als Mensch die Sprache der Menschen in Galiläa damals gesprochen, doch das heißt noch lange nicht, dass sie ihn auch wirklich verstanden haben, wenn er vom Reich Gottes gesprochen hat. Wer schon einmal versucht hat jemandem etwas zu erklären, der weiß wie frustrierend sowas sein kann. Und da die Menschen zur Zeit Jesu schlicht nicht gewusst haben von was er da eigentlich spricht, musste Jesus auf Bilder zurückgreifen, die sie verstehen konnten: die Gleichnisse waren geboren. Heute haben wir das Gleichnis vom Sämann gehört, der die Körner auf verschiedenen Boden geworfen hat und Jesus liefert uns sogar die Erklärung ab, wie genau wir dieses Gleichnis verstehen müssen.

Als ich vor einigen Wochen das Buch „die Seelenburg“ von Teresa von Avila in die Hand genommen habe und anfing zu lesen musste ich nach etwa 100 Seiten enttäuscht feststellen, dass das nur bedingt ein Hochgenuss ist, ja dass es sogar richtig frustrierend sein kann ein solches Buch zu lesen. Warum? Nun, Teresa ist nicht nur Kirchenlehrerin, hatte nicht nur die Stigmata, sondern war auch eine große Mystikerin. Immer wieder hat sie Visionen und Extasen gehabt, in denen sie gewissermaßen einen Blick in die

jenseitige Welt werfen durfte. Wenn sie dann wieder zu Bewusstsein kam, hat sie versucht diese Eindrücke aufzuschreiben und in Worte zu packen. Die Seelenburg ist dabei jenes Werk das sie aus dem Wunsch heraus verfasst hat, Menschen damals und heute dabei zu helfen in uns selbst jenen Ort zu finden an dem Gott selbst ist. Sie beschreibt darin den Weg wie das gelingen kann. Ich persönlich musste recht bald ernüchtert feststellen, dass ich diesem Ort entweder leider doch noch relativ fern bin oder, dass ich zumindest nicht verstehen konnte, was genau Teresa meint.

Liebe Schwestern und Brüder. Um einander zu verstehen, um miteinander zu kommunizieren gibt es Sprache. Diese Sprache ist nicht nur irgendwas was wir Menschen uns irgendwann mal haben einfallen lassen, sondern die Bibel bezeichnet Sprache sogar als etwas Göttliches. Im Johannesprolog lesen wir: im Anfang war das Wort und das Wort bei Gott und das Wort war Gott. Und im ersten Kapitel der Bibel heißt es ganze sechs Mal: Gott sprach und es wurde. Unser Gott ist ein kommunikativer Gott, einer der uns Sprache geschenkt hat, damit wir miteinander und ganz besonders mit ihm sprechen können. Leider vernachlässigen wir diesen letzten Teil immer wieder. Dabei wäre gerade das so wichtig. Denn es ist im Prinzip wie mit allem: um sprechen zu können, muss man sprechen lernen. Um eine andere Sprache verstehen zu

können, muss man diese lernen. Ich glaube, dass wir wieder lernen müssen Gottes Sprache zu verstehen. Und jetzt wird es paradox und knifflig: die Erfahrung vieler vieler Menschen in der heiligen Schrift und auch der heiligen Teresa von Avila ist die, dass die Sprache Gottes die Stille ist. Was heißt das? Das Gott mich mit Schweigen straft? Mitnichten. Ich glaube aber, dass wir heute noch viel mehr in einer Welt leben, in der es vielleicht so schwer ist wie noch nie zuvor die Stimme Gottes zu hören, eben weil es kaum noch Orte der Stille gibt und wir diese Orte auch nicht mehr suchen.

Liebe Schwestern und Brüder. Seien wir doch mal ehrlich: kommt Gott bei uns überhaupt noch zu Wort? Oder überhäufen wir ihn eigentlich nur noch mit unseren Sorgen und Anliegen? Verstehen Sie mich nicht falsch, auch das hat seinen Platz. Doch wir werden Gottes Stimme erst dann wieder hören, wenn wir uns auch die nötige Stille einräumen, die Stille aushalten und ihn zu Wort kommen lassen. Hören wir auf ihn, auch und vielleicht sogar gerade dann, wenn wir das was er sagt gar nicht hören wollen, weil es gerade nicht in unseren Plan vom Leben passt. Auf Gott hören, damit der Same in uns aufgehen kann. Dreißigfach, sechzigfach, hundertfach. Amen.