Predigt von Pfarrer Hof zum 14. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,

Am 24. Und 25. Mai konnte man sich auf der offiziellen Internetseite der Stadt Berlin über Finanztipps schlau machen. Das ist gerade in diesen Monaten, in denen viele Menschen in einer finanziell angespannten Situation sind durchaus sinnvoll. Krass war jedoch, dass einer der besten Tipps dieser Seite der Austritt aus der Kirche war, verbunden mit einer Beschreibung, wie das genau funktioniere und wie sich das finanziell auswirke. Dieser Tipp stand deswegen nur zwei Tage auf dieser Website, weil von Seiten der Evangelischen Kirche massive Proteste bei Bürgermeister Müller eingingen, der daraufhin dafür sorgte, dass dieser Tipp wieder entfernt wurde. Mit dem Austritt aus der Kirche Geld sparen – soweit ist es also schon gekommen, könnte man sagen. Doch schauen wir uns das mal genauer an. Denn ich frage mich vor allem, was da für ein Verständnis von Kirche vorhanden sein muss, um einerseits einen solchen Tipp abzugeben und ihn andererseits auch noch zu befolgen?

Die Frage ist ja durchaus berechtigt? Was ist denn Kirche? Was finanziere ich da überhaupt? Die Kirche war schon immer und wird immer der mystische Leib Christi sein und bleiben. Eine Gemeinschaft von Menschen, die durch die Taufe Anteil an Jesus hat, die Teil eines großen Ganzes ist. Doch die Kirche gibt es nicht um ihrer selbst willen, sondern sie hat einen klaren Auftrag: das Evangelium verkünden. Allen Geschöpfen Gottes Plan vom Leben, genauer von einem gelingenden Leben in Gemeinschaft, mit sich selbst, mit Gott und miteinander zu erzählen, die Liebe Gottes zu uns Menschen zu leben und selbst mit gutem Beispiel voran zu gehen. So eine Unternehmung erfordert auch ein nicht geringes Maß an finanzieller Unterstützung. In einigen wenigen Ländern auf der Welt wurde deswegen die Kirchensteuer eingeführt, die einerseits natürlich für die Bezahlung der kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verwendet wird und durch die andererseits eine bessere und langfristige Planung und Unterstützung von verschiedensten sozialen Projekten ermöglicht wird. Und nicht zuletzt trägt die Kirchensteuer auch insoweit zur Ruhe der Seele bei, als es kirchlicherseits auch verschiedenste Angebote gibt: von den Kindergärten und Altenheimen bis hin zum seelsorgerlichen Gespräch wo ich meine Sorgen aussprechen kann. So gesehen ist Kirche also auf jeden Fall Institution und Unternehmen, aber vor allem für das Seelenheil zuständig.

Kirche ist aber auch Übermittlerin einer uralten Botschaft. Eine, die sich seit nun mehr 2000 Jahren nicht verändert hat. Eine Botschaft die im heutigen Evangelium regelrecht Werbung ist: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Wie viele Hotels werben auf ihren Webseiten damit, dass wir bei ihnen die Seele baumeln lassen können. Mit gutem Essen, Whirlpool, Massagen und weiß nicht was noch allem. Alles gut, alles wunderbar. Wir brauchen es einfach hin und wieder zu entspannen und dadurch wieder zu Kräften zu kommen. Jesus verspricht uns da doch etwas anderes. Statt der Entspannung für unseren Körper verspricht er uns Ruhe für unsere Seele. Was heißt das? Ich glaube wir alle wissen, dass es in unserem Leben leider immer wieder Dinge gibt, die uns umtreiben, die uns aufregen und Nerven kosten, die uns den Schlaf rauben und uns fragen lassen wie es weitergehen kann. Das geht vom Streit mit einem Freund über den momentan unsicheren Job bis hin zur schwierigen Ehe. Von all diesen teils existenziellen Sorgen kann uns kein Hotel mit einer noch so tollen Massage befreien, höchstens für einen kurzen Moment ablenken und auf andere Gedanken bringen. Doch Jesus verspricht uns Ruhe für unsere Seele. Wie das möglich sein soll? Ich glaube den Anfang machen wir, indem wir ihm davon erzählen. Wenn wir uns ein paar Minuten Zeit nehmen, in die Kirche gehen oder vor das Kreuz in unserem Wohnzimmer setzen und Jesus einfach erzählen „Herr mich bedrückt gerade… und ich weiß überhaupt nicht wie ich weitermachen soll“. Wenn wir eine schnelle und direkte Antwort erwarten, werden wir leider bald enttäuscht werden und diese Gespräche ebenso schnell wieder aufgeben. Doch dieses Aussprechen ist ein erster Schritt hin zu einer oftmals verblüffenden Lösung, die manchmal einfach Zeit braucht. Das Abgeben und Loslassen hört sich dabei so einfach an, ist aber tatsächlich unglaublich schwierig. Von Papst Johannes XXIII wird beispielsweise berichtet, dass er manchmal ins Bett gegangen ist mit dem Gebet „Herr es ist deine Kirche und ich gehe jetzt ins Bett.“ Wir – und damit schließe ich mich mit ein - meinen immer wir müssten alles aus eigener Kraft heraus bewirken. Befolgen wir stattdessen lieber den Rat Jesu: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.   

Liebe Schwestern und Brüder. Die Kirche ist nicht nur das älteste und größte Unternehmen der Welt das natürlich auch einiges an finanziellen hin und her bewegt, sondern sie ist vor allem der Leib Christi. In der Erfüllung seines Auftrags und ihrem Einsatz besonders für die schwächsten in unserer Gesellschaft gewinnt sie ihre Daseinsberechtigung.  Was ist es für ein Signal von einer Gesellschaft, wenn sie ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern empfiehlt aus ihr auszutreten?