Predigt von Pfarrer Hof zum 12. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,

Im Jahr 2005 waren meine Schwester und ich in unserer Teenie-Hochphase. Ich glaube so wie für alle Eltern war das auch für unsere keine besonders einfache Zeit. 2005 war zu allem Überfluss dann auch jenes Jahr in dem die deutsche Musikgruppe Tokio Hotel mit ihrer ersten Single über Nacht zu Stars wurden. Das besondere an dieser Gruppe war, dass sich gleich von Anfang an zwei Lager bildeten: die Fans und die Hater. Die Fans die die Gruppe um es einmal neutral zu formulieren unterstützten und die Hater, die die Band und alles was mit ihr zusammenhing hassten. Das lag vor allem am Frontmann der Band, der besonders durch sein äußeres Erscheinungsbild von Anfang an polarisierte. Meine Schwester war ein glühender Anhänger und es war aufgrund dieser Hater alles andere als einfach diese Band zu unterstützen und dennoch bekannte sie sich immer offen als Fan. Ich kann Ihnen versichern: wir alle, ich, meine Schwester und ganz besonders meine Eltern sind sehr dankbar, dass diese Zeit der Vergangenheit angehört.

Liebe Schwestern und Brüder, mit diesem Einblick in unsere Tennie-Zeit möchte ich Sie ganz bestimmt nicht für diese Band begeistern, sondern es ist einfach ein wunderbares Beispiel für das heutige Evangelium. Denn dort sagt Jesus: Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen. Jesus ruft uns ganz eindeutig und uneingeschränkt auf, dass wir uns zu ihm bekennen. Doch was heißt das?

Unsere Katholische Kirche hat in der breiten Wahrnehmung der Öffentlichkeit ein negatives Image. Es ist eigentlich normal geworden verbal auf die Kirche einzudreschen, was nicht weiter schwer fällt, denn sie bietet leider immer wieder etwas an das man kritisieren könnte. Besonders für jene die ihr nach wie vor die Treue halten wird es immer schwieriger durch ein Bekenntnis zu ihr gesellschaftlich nicht geächtet zu werden. Wer sich heute noch zur Kirche bekennt, wer die Gottesdienste besucht, wird oftmals mit großen Augen und manchmal gar erstaunt oder mitleidig angeschaut „was du gehst tatsächlich noch in die Kirche?“.

Liebe Schwestern und Brüder. Warum gehen wir in die Kirche? Warum setzen wir uns durch unsere Zugehörigkeit zur Kirche immer wieder aufs Neue Anfeindungen und Kritik aus der Gesellschaft aus? Ich wage den Versuch einer Antwort: Weil wir auf der Suche nach Mehr sind. Weil wir zur Erkenntnis gekommen sind, dass es mehr geben muss als die irdische Welt, als das was wir mit unseren Sinneseindrücken erfassen können. Weil wir die Hoffnung haben, dass das was uns da in dem uralten Buch von diesem galiläischen Wanderprediger und Wunderheiler überliefert ist, die Wahrheit ist. Und wenn das die Wahrheit ist, dann bedeutet das auch für mein eigenes Leben Konsequenzen, dann bedeutet das für mich, für jeden der an Jesus glaubt die beste Aussicht auf ein ewiges Leben im Paradies. Es ist eigentlich absurd: das Christentum verspricht im Prinzip genau das, was jede Firma der Welt gerne verkaufen würde: ewiges Leben. Doch irgendwie schaffen wir es in Deutschland und in weiten Teilen Europas nicht diese Botschaft richtig zu transportieren.

Die beste Werbung, da wird mir jeder Unternehmer recht geben, ist die Mund zu Mund Weitergabe. Jemand der überzeugt ist vom Angebot wird zum Multiplikator für andere Menschen. Wenn ich dran denke mit welcher Leidenschaft und mit welchem Feuer meine Schwester damals ihre Lieblinge verteidigt hat muss ich gestehen, dass ich mir wünschen würde diese Leidenschaft auch bei uns Christen zu sehen, wenn wir über Christus sprechen. Doch das können wir nur dann tun, wenn wir uns mit ihm auseinandersetzen, wenn wir im Gespräch mit ihm sind, wenn wir ihm in den Sakramenten begegnen, wenn wir seinen Auftrag erfüllen. Über Christus sprechen. Das erscheint mir das Entscheidende zu sein. Denn in Deutschland sprechen wir als Kirche eigentlich nur noch über Strukturen, während Jesus und das Ewige Leben eigentlich gar nicht mehr vorkommen.

Liebe Schwestern und Brüder. Die wichtigste Zusage hat Jesus selbst uns heute gemacht: wenn wir uns vor den Menschen zu ihm bekennen, dann wird auch er sich vor unserem himmlischen Vater zu uns bekennen. Amen.