Predigt von Pfarrer Hof zu Peter- und Paul

Liebe Schwestern und Brüder,

Der eine war ein Mörder, der andere ein Verräter. Der eine ließ die Anhänger des Nazoräers umbringen, der andere leugnete Jesus zu kennen. Schöne Verkünder hat sich der Herr da ausgesucht, könnte man anmerken. Doch beiden ist nach ihren Taten etwas widerfahren das ihr Leben auf den Kopf stellte und sie zu den wichtigsten Verkündern des Evangeliums, des Reiches Gottes uns seiner Liebe machte. Beiden wurde vergeben. Und zwar vollständig. So vollständig wie wir Menschen es niemals könnten. Wenn wir heute das Hochfest der beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus feiern, dann blicken wir dabei auch auf ihre Taten. Nicht nur auf das Großartige das sie nach ihren eindrücklichen Erlebnissen mit Gottes Hilfe vollbracht habe, sondern auch auf ihr Versagen. Denn für mich liegt in diesem Versagen das eigentliche Geheimnis ihrer Größe. Und tatsächlich können sie uns genau darin ein Vorbild sein. Irgendwann in unserem Leben kann es passieren das wir falsch abbiegen, dass wir eine falsche Entscheidung treffen, etwas das wir hinterher nicht mehr reparieren können. Ein Fehler wo wir auf Verzeihung angewiesen sind, weil wir sonst nicht mehr weitermachen können. Ich selbst habe mit etwa 23 Jahren einen solchen Fehler gemacht. Einen der meine damalige heile Welt und meine eigene Selbstherrlichkeit in sich zusammenbrechen ließ. Heute bin ich sehr dankbar, dass es damals nur etwa vier Monate waren bevor mir verziehen wurde, doch es dauerte insgesamt fast ein Jahr bis auch ich selbst mir verzeihen konnte und ich mich schließlich nicht mehr als abstoßend empfand.

Liebe Schwestern und Brüder. Wir leben in einer Zeit und in einer Gesellschaft in der man lieber mit dem Finger auf andere zeigt, den Fehler beim anderen sucht, andere der Lüge bezichtigt und sich die Wahrheit so hindreht wie sie einem gerade passt. Eine offene ehrliche Entschuldigung, mea culpa, tut mir Leid das war meine Schuld, ist Seltenheit geworden. Das passiert nicht nur auf der großen politischen Bühne, sondern das geschieht jeden Tag im Kleinen und in den besten Familien. Ich bin immer wieder erschüttert wenn ich mitbekomme, wie manche Familien miteinander umgehen. Vor allem erwachsen gewordene Kinder entfremden sich von ihren eigenen Eltern und suchen mit ihrer Familie das Weite. Wie viele Tränen müssten nicht geweint werden, wenn wir wieder ehrlich zu uns selbst und zueinander wären?

Liebe Schwestern und Brüder, die Erfahrung, dass mir verziehen wird, ist unerlässlich dafür, dass ich selbst lerne zu vergeben. Andern und vor allem auch mir selbst. Gerade Letzteres ist dabei unerlässlich und wird leider viel zu oft vergessen. Ich muss mir auch selbst vergeben können. Denn wenn ich mir selbst die eigene Tat immer wieder vorhalte kann nichts heilen. Viele denken heute, dass sie alles richtig machen und vergeben. Dabei merken sie gar nicht, dass überhaupt nichts vergeben ist; weder sich selbst noch dem anderen. Man spricht einfach nicht darüber, kehrt die Schuld unter den Teppich und hofft, dass niemand über den dicker werdenden Bollen stürzt, der sich mehr und mehr unter dem Teppich auftürmt. Echte Vergebung heißt: wir machen reinen Tisch. Manchmal muss die Haut nochmal aufgeschnitten werden, damit der ganze Eiter, damit das Geschwür heraus kann, das da gewachsen ist. Und so ein Schnitt tut normalerweise weh und dennoch ist er nötig, weil nur dann echte Heilung geschehen kann.

Liebe Schwestern und Brüder. Sowohl Petrus als auch Paulus haben die Erfahrung gemacht, dass Gott ihnen vergeben hat. Ihre Taten sind deshalb nicht ungeschehen aber sie konnten durch die Vergebung Gottes und das Vertrauen darauf, dass diese Vergebung echt und vollständig ist, überhaupt erst wieder von vorne anfangen und ihr Leben sogar in andere Bahnen lenken. Genau deswegen bedauer ich es sehr, dass das Sakrament der Versöhnung, die Beichte, nur noch so sporadisch erbeten wird. Braucht man alles nicht, alles Schnee von gestern. Dabei weiß doch jeder: manchmal braucht es ein reinigendes Gewitter, manchmal muss ein Skalpell angesetzt werden, damit das Geschwür heraus kann. Das tut weh, das ist unangenehm, aber nur so kann tatsächlich Heilung stattfinden. In der Beichte benennen wir unser Geschwür, das was sich an schlechtem in uns angesammelt hat, da wo wir von Gottes Plan abgerückt sind – und wir bekommen die sichere Zusage, dass wir neu beginnen dürfen. So wünsche ich Ihnen an diesem Hochfest: schauen wir auf diese beiden Apostel. Schauen wir auf ihre Größe und auf ihr Versagen, denn gerade darin sind sie uns ein Vorbild. Weil sie darauf vertraut haben, dass Gott sie trotz ihres Versagens wollte, dass er ihnen vergeben hat und sie mit ihm wieder von vorne beginnen konnten. Amen.