Predigt von Pfarrer Hof zu Fronleichnam

Liebe Schwestern und Brüder,

Als mich meine Mutter im Herbst 2015, wenige Monate nach meiner Priesterweihe, gefragt hat ob ich sie zur Mehr-Konferenz nach Augsburg begleiten würde, war ich zunächst wenig begeistert. Sicher, ich hatte schon so manchen Vortrag vom Leiter und Initiator dieser Konferenz gehört, aber irgendwie sträubte sich da etwas in mir dagegen, das ich gar nicht genauer benennen konnte. Ein paar Dauergrinser und Halleluja-Schlümpfe wie einer meiner ehemaligen Theologieprofessoren aus Tübingen einmal gesagt hatte – das war so in etwa das Bild, das ich vom Gebetshaus Augsburg damals hatte. Als dann kurz nach dieser Bitte meiner Mutter auch noch ein sehr guter Freund mit derselben Frage auf mich zu kam, dachte ich: zwei Anfragen zum gleichen Thema aus unterschiedlichen Richtungen? Da will dir anscheinend jemand was sagen. Also haben wir uns zu dritt aufgemacht und diese Glaubenskonferenz in der Messehalle in Augsburg zusammen mit damals 6000 anderen Menschen aus ganz Europa besucht. Der Start und die ersten Eindrücke waren für uns durchaus holprig und nicht gerade ideal. Aber nach diesen drei Tagen sind wir alle begeistert wieder nach Hause gefahren und haben noch sehr lange von den Eindrücken die wir dort gewonnen haben gezehrt.

Liebe Schwestern und Brüder. Das Gebetshaus Augsburg unter der Leitung von Johannes Hartl macht etwas, das für uns Christen eigentlich das normalste der Welt sein sollte, jedoch faktisch in viel zu weiten Teilen unserer Kirche nicht oder nur noch sporadisch vorkommt: Die Anbetung. Wir haben verlernt was Anbetung ist, wofür das gut ist und vor allem wie das geht. Dabei sitzen gerade wir Katholiken gewissermaßen an der Quelle, denn wir glauben daran, dass Jesus nicht nur da unter uns ist wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, sondern dass er ganz konkret, ganz real in den eucharistischen Gaben von Brot und Wein gegenwärtig ist. Und was machen wir mit ihm? Wir sperren ihn in ein kleines Metallschränkchen ein. Ich glaube, dass wir wieder ganz dringend zu unseren Wurzeln zurück müssen, um wieder zu lernen und zu verstehen was die Eucharistie tatsächlich ist. Dieses kleine runde Stück Brot ist nicht einfach nur ein kleiner Keks der manchen schmeckt und anderen am Gaumen kleben bleibt. Nein, dieses Brot ist die Quelle des Lebens für die Welt, weil es Jesus selbst ist. Von dieser Quelle geht alles aus, diese Quelle durchdringt unser ganzes Leben und möchte Leben für die Welt sein. Doch anstatt, dass wir diese Quelle richtig nutzen errichten wir lieber Staudämme um sie herum, sodass sie eigentlich kaum mehr fließen kann.

Bischof Stefan Oster von Passau hat in einem Interview vor dem Adoratio Kongress in Altötting gesagt, dass er selbst es merkt, wenn er sich keine Zeit mehr fürs Gebet nimmt. Immer wenn ich meinen Tag nicht aus der eucharistischen Anbetung beginne, bzw. beschließe – so sagt er - werden die Worte die ich sage hol und nur noch Hülsen. Und genau das ist das Problem unserer Katholischen Kirche in Deutschland. Es kommen eigentlich nur noch Worthülsen ohne Inhalt heraus. Der Apostel Paulus formuliert es so: hätte ich die Liebe nicht, wäre ich tönernes Erz oder eine lärmende Pauke. Ich wage für uns zu übersetzen: wenn ich nicht in Jesus bleibe, wenn ich nicht bete, wenn ich mir keine Zeit für ihn nehme, dann kann ich mir die tollsten Dinge für die Gemeinden überlegen – es bleibt geistleer und damit fruchtlos.

Liebe Schwestern und Brüder. Die Eucharistie, Jesus selbst ist das Zentrum und die Quelle des Lebens. Sie zu empfangen oder vor ihr in Anbetung zu verweilen ist so, als würden Sie ein einen leeren Akku wieder aufladen. Und so möchte ich Sie wieder neu bestärken: in diesem Moment, wenn wir kniend das Hochgebet mitbeten und mit unserem Amen alles das bestätigen was der Priester gerade stellvertretend für die Gemeinde vor Gott gebracht hat, dann bereiten wir uns selbst auf die Begegnung mit Jesus vor. So wie wir auch unsere Wohnungen und Häuser vorbereiten wenn wir Besuch bekommen, so müssen wir uns auch innerlich auf die Ankunft Christi in unseren Herzen bereit machen. Und wenn wir die Kommunion dann empfangen haben, wenn wir ihn in uns aufgenommen haben, dann verweilen wir bei ihm. Ich sehe so häufig Menschen, die die Kommunion empfangen, dann in ihre Bank zurückgehen und mit ihrem Nachbar schwätzen oder weiß der Herr was machen. Dieser Moment gehört Ihnen und Gott. Jesus ist gerade bei Ihnen. Da ist es vollkommen Wurst was der Nebensitzer gerade macht oder sonst was. Jesus ist gerade in Ihrem Innersten. Und wie jeder andere Besuch auch, so möchte auch er, dass wir uns Zeit für ihn nehmen. Wir lassen doch auch keinen Besuch in unser Haus und schwätzen dann nicht mit ihm.

Liebe Schwestern und Brüder. Fronleichnam ist das Hochfest des Leibes und Blutes Christi. Auch wenn wir ihn heute nicht durch unsere Straßen begleiten können, so sollen wir ihm in uns selbst ein Zimmer bereiten. Unterhalten wir uns mit ihm, sprechen wir mit ihm. Teilen wir ihm mit was wir fühlen und denken, was uns stört oder freut. Glauben Sie mir, Sie werden reich beschenkt aus diesem Gespräch hervorgehen. Amen.