Predigt von Pfarrer Hof zu Christi Himmelfahrt

Liebe Schwestern und Brüder,

So langsam aber sicher fängt die Welt wieder an sich zu drehen. Wir dürfen wieder Gottesdienste feiern, die Bundesliga nimmt wieder ihren Spielbetrieb auf, die Gastronomie darf wieder Gäste bewirten – alles selbstverständlich nur unter äußerst strengen Sicherheitsvorkehrungen. Die Lage bleibt angespannt, noch stehen wir auf wackeligen Füßen. Das merken wir allein schon daran, dass die Dinge momentan anders laufen und stattfinden wie gewohnt. In den Gottesdiensten dürfen wir nicht singen und die Kommunion nur auf bizarre Art und Weise empfangen, die Fußballspiele werden nicht von zigtausenden von Fankehlen besungen und in der Wirtschaft nimmt eine Bedienung mit Mundschutz unsere Bestellung entgegen. Das trägt alles nicht unbedingt dazu bei in Euphorie ob der Lockerungen zu verfallen. Die Zweifel überwiegen bei vielen: ist das alles auch wirklich sicher? Wird es nicht doch noch eine zweite Welle geben? Wird es überhaupt je wieder so werden wie wir die Welt kannten?

Ich finde es vollkommen verständlich, dass viele von uns solche Zweifel haben. Gerade das Gefühl der Ungewissheit ist etwas das zwar zum Leben zwangsläufig mit dazu gehört, doch das bedeutet nicht, dass wir es deswegen leichter annehmen würden. Bei manchen hat es in diesen Wochen dazu geführt Unmengen von Klopapier zu kaufen oder Lebensmittel, die man sonst gar nicht essen würde,  nun jedoch vor lauter Panik fast schon willkürlich im Einkaufswagen gelandet sind und wo man jetzt feststellt, eigentlich mag ich doch Dosenspargel und Chewapchicchi überhaupt nicht; ess ich das jetzt oder schmeiß ich die Dose gleich weg?

Liebe Schwestern und Brüder. Mit diesem Gefühl des Zweifelns, der Ungewissheit befinden wir uns heute in

bester Gesellschaft, denn auch manche der Jünger, des engsten Kreises Jesu befällt dieses Gefühl, als sie den Auferstandenen auf dem Berg in Galiläa sahen. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel. Es wird nicht genau gesagt woran sie zweifeln. Ob sie ihren Augen nicht trauen können, ob er tatsächlich der Sohn Gottes ist oder was auch immer. Interessant finde ich, dass Jesus dieses Mal gar nicht auf ihren Zweifel eingeht. Das hat er im Laufe der vergangenen Ereignisse bereits mehr als genug getan. Nun geht es ihm um etwas völlig anderes: er sendet sie, er erteilt ihnen ihren Auftrag und gibt ihnen am Schluss noch den Zuspruch: ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Liebe Schwestern und Brüder. Haben wir diese Gewissheit, dass Jesus tatsächlich bei uns ist? Oder überwiegt bei uns doch eher das Gefühl der Ohnmacht, der Resignation wenn wir auf unsere Gesellschaft, auf unsere Kirche und auf das zunehmende Erlahmen der christlichen Botschaft schauen? Ich bin davon überzeugt, dass wir Kirche und die Verkündigung der Frohen Botschaft wieder viel mehr von ihrem Ursprung her denken müssen. Schauen wir doch auf die Apostel: waren das besonders tolle und intellektuelle Menschen, die großartige Konzepte und Katechesen entworfen haben? Nein. Es waren weitgehend ungebildete Männer, deren einzige Stärke darin lag, dass sie, besiegelt mit dem Heiligen Geist, der an Pfingsten in Form von Feuerzungen auf sie herabkam, mit Feuereifer von Christus erzählt haben. Sie haben authentisch und mit Leidenschaft und mit Begeisterung von Jesus erzählt, das heißt sie brannten geradezu innerlich. Wenn man sich dagegen manche kirchlichen Mitarbeiter anschaut bekommt man den Eindruck, dass da vorne eher eine Trantüte vor sich hin säuselt. Als Zuhörer wird es da tatsächlich schwierig Feuer zu fangen. Denn ein neues Holzscheit kann nur dann selbst anfangen zu brennen, wenn bereits ein Feuer oder wenigstens eine gute Glut da ist. Wir Christen müssen also erfüllt sein von der Leidenschaft und der Liebe zu Christus. Wenn das fehlt können wir die tollsten Sachen machen – es wird nichts bei rum kommen.

Liebe Schwestern und Brüder. Jesus braucht Begeisterte, braucht Menschen die innerlich für ihn brennen und seine Botschaft verkünden. Und das fängt im Kleinen und zuhause an: in der Familie gemeinsam beten, gemeinsam am Sonntag den Gottesdienst besuchen, dass Eltern ihren Kindern von Jesus erzählen. Und wenn Fragen auftauchen die man nicht beantworten kann, begibt man sich gemeinsam auf die Suche. Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Jesus lässt uns dabei nicht alleine, sondern er ist bei uns alle Tage bis zum Ende der Welt. Amen.