3. Etappe von Tour D'Advent in Hiltensweiler

3. Etappe Tour D'Advent beim Feuerwehrhaus in Oberlangnau Bild: Cornelia Kellner

Rund 20 Teilnehmer trafen sich am 3. Advent, dem Gaudete – „Freut Euch!“- Sonntag bei der Feuerwehr in Oberlangnau. Dieser Ort wurde vom Familiengottesdienst Team nicht ohne Grund gewählt, denn die Adventsandacht stand unter dem Thema „Allzeit bereit“.

Allzeit bereit müssen auch die Feuerwehrmänner und -frauen sein, um im Notfall schnell reagieren zu können. Allzeit bereit sollten auch wir als Christen sein, denn wir wissen nicht wann der Herr kommt, wir wissen nicht wann Gott bei uns „anklopft“ und uns herausfordert, heraus aus unserem Alltag.

Denn nur wenn wir bereit sind, wenn wir uns auf etwas einlassen können, werden wir solche „Schlüsselmomente“ erfahren, wie uns Frau Verena Sayer in einer eindrucksvollen Geschichte des Journalisten Frank Hofmann, geschildert hat.

Also – freuen wir uns und sind wir bereit für unser nächstes und letztes Etappenziel dieser tollen Tour d’Advent, am Waldspielplatz (Waldlehrpfad), nächsten Sonntag (4. Advent) wieder um 17.00 Uhr.

 

Schlüsselmoment

Die Stimmung ist kühl, geschäftsmäßig, unsere Begegnung ein Pflichttermin, keine Herzensangelegenheit. Ich soll für ein Sportmagazin die joggende Bischöfin über ihre Laufgewohnheiten interviewen. Ausgerechnet ich – wo ich doch mit der Religion seit meiner Pubertät abgeschlossen habe.

Und jetzt ist die Bischöfin auch noch erkältet, statt des geplanten gemeinsamen Laufs also nur ein Gespräch auf der Sitzgruppe im Arbeitszimmer. Ich spule meine Standardfragen ab. Seit wann laufen Sie, wie oft, wie lange ...?
Langsam kommen wir ins Gespräch. Sie redet über ihre Scheidung, ihre Krebserkrankung und darüber, wie ihr das Laufen nach der Strahlentherapie wieder Kraft gegeben hat. Wie sie beim Laufen meditiert, betet, Erfahrungen macht mit Gott. Wie der innere Rhythmus, die Schritte, das Atmen ihr helfen, innerlich frei zu werden. Ich horche auf. Werde nachdenklich. Plötzlich sehe ich das Laufen in einem ganz neuen Licht. Als hätte jemand einen Vorhang weggezogen. Meine täglichen Trainingseinheiten, mehr als ein Sport? Eine innere Kraftquelle, ein Tank voller Spiritualität? Ist es nicht das, was mir seit Jahren fehlt?

Welches Gebet empfehlen Sie für den Einstieg?“, frage ich. „Versuchen Sie es doch mal mit dem Vater unser.“
Am nächsten Morgen krame ich in meinen Erinnerungen – und bin überrascht, dass ich kaum stocke: „Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt ...“

Zwei Jahre später schreibe ich der Bischöfin: „Vielleicht erinnern sie sich noch an unser Gespräch über Laufen und Glauben. Für mich war die Begegnung der Anstoß, Gott wieder eine Chance in meinem Leben zu geben. Ich hatte ihn über zweieinhalb Jahrzehnte aus den Augen verloren – aber er mich offensichtlich nicht. In zwei Monaten laufe ich übrigens den Jerusalem-Marathon in einem interreligiösen Team: eine Jüdin, ein Moslem und ich – als Christ.“
(Frank Hofmann)